Freie Universität Berlin

P 838 5815 Schulversuche zur Genetik und Evolution

WS 1997/98

FB Biologie

LV: Johannes Siemens

Protokoll

Isolierung von Bakterien aus dem Boden

Ein Artunterschied zwischen Bacillus subtilis und Escherichia coli:

Nachweis aktiver Makromoleküle (Enzymaktivität)

 

vorgelegt von:

Verena Röske & Eleni Karma

Isolierung von Bakterien aus dem Boden

Ein Artunterschied zwischen Bacillus subtilis und Escherichia coli:

Nachweis aktiver Makromoleküle (Enzymaktivität)

Einleitung:

Bodenmikroorganismen

Der Boden enthält eine Vielzahl von Lebewesen. In dem folgenden Versuch soll man erkennen, daß es verschieden Arten gibt, die sich durch die Morphologie der Kolonien voneinander unterscheiden (Größe, Farbe). Im Boden, besonders in der humusreichen Erdschicht, bis zu 50 cm Tiefe kommen Bakterien in sehr großer Zahl vor. 1 g Boden kann bis über 1 Milliarde lebende Einzelbakterien enthalten. Im Boden findet man nicht nur Bakterien, sondern auch eine Vielzahl von Pilzsporen, die auf dem Agar ebenfalls auskeimen. Pilze wachsen schneller und können somit alles andere überwachsen, somit dürfen die Platten nicht solange bebrütet werden.

Bakterien:

Sie haben eine mittlere Größe von 0,5 bis 5m m. Das Zellinnere weist nur eine geringe Differenzierung auf: Das Kernmaterial bildet eine feinfibrillären Körper (keinen Zellkern) von unregelmäßiger Gestalt. Die DNA ist in der Zelle ringförmig aufgewickelt und an einer Stelle mit der Zellmembran verbunden. Im Cytoplasma sind Ribosomen. Reservestoffeinschlüsse, und bei Bakterien, die zur Photosynthese befähigt sind, Membranstapel zu finden, die Chlorophyle und Carotinoide tragen. Viele Bakterien sind begeißelt, manche tragen feine haarartige Bindungen.

Die Vermehrung der Bakterien erfolgt stets durch Querteilung; die Teilungsgeschwindigkeit beträgt meist 15 (min.9) bis 40 Minuten (max. Stunden).

Bakterien und Pilze können Antibiotika produzieren. Es handelt sich um gebildete Stoffwechselprodukte und ihre auf chemischen Wege hergestellten Abwandlungsformen. Die Antibiotika wirken durch antibakterielle Mechanismen wachstumhemmend oder abtötend auf bestimmte krankheitserregende Mikroorganismen. Das Antibiotikum geben die Bakterien und Pilze ins Agar ab; als Folge bildet sich ein Hemmstoff um den Produzenten herum, in dem nichts anderes wachsen kann.

Das häufigste Bodenbakterium ist Bacillus subtilis. Es ist ein ca. 2-4 m m langes, stäbchenförmiges bakterium Bakterium, das sehr Widerstandsfähige Sporen bildet, die z.B. Temperaturen von mehr als 100 Grad überleben können. Um das zu testen, kochen wir die Erdprobre für 15 Minuten und besimmen anschließend das Verhältnis hitzeresistenter zu hitzelabiler Keime.

Die Platten mit denen gearbeitet werden soll, enthalten außer den üblichen Bestandteilen, Stärke oder Gelantine. Damit werden wir testen, ob und wieviele der auskeimenden Bakterien Stärke bzw. Gelantine (Eiweiß) abbauen können.

Bacillus subtilis scheidet z.B. ein Enzym, eine Amylase aus, welche Stärke zu Glucose hydrolysiert. Der Nachweis von Amylaseproduzenten gelingt einfach, indem man die Platten mit einer Jod - Jodkaliumlösung entwickeln. Die Platten müssen blau werden, bis auf Höfe um die Amylaseproduzenten herum.

Jetzt kann man wieder Das Verhältnis der Amylaseproduzenten zu Nichtproduzenten errechnen. Da das Medium ja auch Pepton enthält, ist alles an Nährstoffen vorhanden, damit auch solche Bakterien wachsen können, die mit der Stärke nichts anfangen können.

(Zusatzversuch: Speichel die auch Amylase enthält)

Analog zu dem oberen Versuch, untersuchen wir welche Bakterien Proteine abbauen können. Dazu werden einige gelatinehaltige Platten beimpft. Die Entwicklung erfolgt durch ein Schwermetallsalz. Proteine werden damit unspezifisch gefällt. Die Eiweiße werden durch den Angriff der Enzyme löslich und verflüssigt. Wir erhalten somit klare Höfe um solche Kolonien herum, welche ein eiweißabbauendes Enzym ausscheiden.

Enzyme sind Makromoleküle. Die Stoffe, die ein Bakterium zum Wachsen braucht und der Agarplatte entzieht, sind kleine Moleküle. Salze, Glucose, Aminosäuren und Vitamine zwischen kleine Moleküle und Makromoleküle läßt sich unterscheiden, da die ersten eine Folie passieren können (z.B. Celluphanfolie); während Makromoleküle das nicht können. Diese Tatsache erlaubt es nun, zwischen Amylase - Aussceidung und Wachstum der Bakterien zu unterscheiden. Die eine Hälfte der

 

Agarplatte wird mit einer feuchten Folie bedeckt und beimpfen einmal die Folie und zum anderen den Agar selbst. In beiden Fällen ist ein

Wachstum zu erwarten, aber nur an den unbedeckten Stellen einen Stärkeabbau.

Escherichia coli scheidet keine Amylase aus. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Arten werden durch die Versuche verständlich.

Die Kontrolle zu dem Versuch, d.h. es soll ausgeschlossen werden, daß die Bakterien allein auf der angefeuchteten Folie wachsen können. dazu wird eine leere Platte, legen eine angefeuchtete Folie hinein und beimpfen diese.

 

Lernziele:

Die Schüler sollen erkennen, daß

- verschiedene Arten von Bakterien im Boden vorliegen

- Bakterien unterschieden werden können, aufgrund der Morphologie der Kolonie (Farbe, Größe)

- es im Boden auch andere Mikroorganismen gibt, Pilze, die auf Agar auch auskeimen

- Pilze schneller wachsen und alles andere überwachsen können bei längerer Bebrütung

- Bakterien und Pilze Antibiotika produzieren können, die sie dem Agar abgeben und um die Bakterien und Pilze nichts mehr wachsen kann.

- Bacillus subtilis hitzeresistent ist und Stärke abbauen kann

- manche Bakterien Stärke und andere Eiweiß abbauen können.

- Amylaseproduzenten nachzuweisen sind durch Jod - Jodkaliumlösung

- Eiweiß durch ein Schwermetallsalz abgebaut wird.

- Wirkung von Enzymen

 

Die Arbeit mir Agarplatten gibt den Schülern Einblick in mikrobiologische Arbeitstechnicken. Sie lernen verstehen, daß Bakterien für Wachstum und Vermehrung einen Nährboden brauchen.

Sie erkennen, Bakterienkolonien aus einem Bakterium oder nur wenigen Bakterien entstehen und eine Ansammlung von vielen hundert Millionen Einzelbakterien sind.

Ein knapper Überblick über die Bakterien soll eine erste bewußte mit diesen pfanzlichen Kleinstlebewesen ermöglichen.

An der unterschiedlichen äußeren Beschaffenheit von Bakterienkolonien gewinnen die Schüler einen ersten Einblick in die Vielfalt der Bakterien.

 

Untersuchung der Eigenschaften von Bakterien aus dem Boden

Versuchsmaterialien:

10-20g Erde verschiedener Herkunft (z.B. Komposterde, Sand und Lehm)

pro Bodenart einen 100ml Erlenmeyerkolben und jeweils ein großes und zwei normale Reagenzgläser

steriles Wasser

Parafilm

Impföse (wenn nicht vorhanden, kann auch eine sterile Glaspipette benutzt werden)

Bunsenbrenner zum Sterilisieren und Erhitzen

pro Bodenart jeweils vier Stärke- und vier Gelatineplatten

Brutschrank

Versuchsdurchführung:

Die Erdproben werden in die sterilen Erlenmeyerkolben gegeben und mit etwa der gleichen Menge sterilen Wassers versetzt. Nun werden die Kolben mit Parafilm verschlossen und etwa 10 min. lang geschüttelt.

Läßt man nach dem Schütteln die Suspension einen Moment stehen, so setzen sich die festen Partikel im Glas unten ab. Der trübe Überstand wird nun in das große, sterile Reagenzglas gegeben (am besten vorsichtig mit einer Pipette entnehmen, damit möglichst wenig feste Bestandteile mit hineingelangen).

Nun werden jeweils zwei Verdünnungen vorgenommen (1:10 und 1:1000).

Es sollen von jeder Bodenprobe und jeweils beiden Verdünnungen 0,05 ml Suspension auf je eine Stärke- und eine Gelatineplatte aufgetragen und mit einem abgeflammten und nachträglich erkalteten Drigalski-Spatel verstrichen werden.

Die verbliebenen Inhalte der großen Reagenzgläser werden nun 10 min. im Wasserbad gekocht. Nach dem Abkochen werden auch hier die Verdünnungen 1:10 und 1:1000 vorgenommen und auf die zwei verschiedenen Agar-Typen gegeben.

Alle Platten mit den angelegten Kulturen kommen nun für etwa 24 h in den Brutschrank.

 

Erwartete Ergebnisse:

Auf den Platten mit den nicht erhitzten Bodenproben werden verschiedenste Bakterienkolonien zu finden sein, die man aufgrund verschiedener Farbe, Größe und Form unterscheiden kann. Das folgende Buch hilft bei der Bestimmung:

"Hans-Udo Graf, Ulrike Graf, Mikrobiologie und Biotechnologie. Schroedel 1992".

Das häufigste Bodenbakterium Bacillus subtilis kann man durch eine besondere Eigenschaft leicht ausfindig machen. Die "Bacillus subtilis"-Kolonien haben die Fähigkeit Stärke abzubauen. Die Stärke auf den Stärkenährplatten wird rund um die Kolonie durch das Enzym Amylase zu Glucose hydrolysiert. Man muß also nach dem Bebrüten die Stärkeplatten nur mit einer Jod-Jodkaliumlösung (Stärkenachweis) entwickeln. Die Platten müßten dann blau werden, bis auf Höfe um die Amylaseproduzenten herum.

Bacillus subtilis kann in Form hitzestabiler Sporen vorliegen und müßte demnach auch auf Platten mit zuvor erhitzten Bodenproben zu finden sein.

Als kleine Schwierigkeit erweist sich die Dauer der Bebrütung. Oft kommt es aufgrund zu langer Bebrütung zu einem starken Wachstum von Schimmelpilzen, deren Sporen überall im Boden verbreitet sind. Diese überwachsen dann auf den Nährplatten die einzelnen Bakterienkolonien und sind für die Untersuchung der verschiedenen Bodenbakterien nicht mehr geeignet. Man müßte den Versuch in diesem Fall noch einmal wiederholen und die Bebrütungsdauer dementsprechend verkürzen.

Will man die Platten zum Beispiel bis zur nächsten Unterrichtsstunde aufheben, so legt man diese nach abgeschlossener Bebrütungsdauer in den Kühlschrank. Bei Kühlung wird das Wachstum von Schimmelpilzen und auch Bakterienkolonien gehemmt.

Beschaffung der Versuchsmaterialien:

Der Brutschrank

In der Schule können Versuche mit Krankheitserregern aus begreiflichen Gründen nicht durchgeführt werden.

Daher entfällt auch die Notwendigkeit, die dafür unbedingt notwendigen Bruttemperaturen (36°C) konstant einzuhalten.

Die meisten ungefährlichen Bakterienarten entwickeln sich ihrem Lebensraum gemäß schon gut bei Zimmertemperatur. Allerdings bleiben die gezüchteten Kolonien kleiner und wachsen langsamer.

Wenn man nur kurze Zeit für die Entwicklung der Kolonien hat, so sollte man diese ebenfalls bei ca. 36°C in einem Brutschrank ca.24h bebrüten.

Hier muß die Temperatur nicht so konstant gehalten werden (allerdings nicht über 37°C).

Darum kommt man auch gut, soweit kein anderer vorhanden, mit einem selbstgebauten Brutschrank aus, der mit einfachen Mitteln schnell hergestellt ist. Eine Bauanleitung ist in folgendem Buch nachzulesen:

"Dr. Kurt Freytag, Schulversuche zur Bakteriologie, Seite 10-11. Aulis Verlag, Köln 1968."

 

Herstellen von Nährböden (Agar-Platten)

Mikroorganismen vermehren sich sehr gut auf künstlichen Nährböden, die alle für sie notwendigen Stoffe enthalten. Die Zusammensetzung der Nährböden richtet sich nach den Ansprüchen der jeweiligen Mikroorganismen. Die sogenannten festen Nährböden, die in Petrischalen

gegossen werden, enthalten zusätzlich den gelierenden Stoff Agar-Agar, der aus bestimmten Rotalgen gewonnen wird.

Es gibt die Möglichkeit, die Nährböden selbst herzustellen. Dazu eignen sich die Rezepte aus folgendem Buch auf folgenden Seiten:

"Dr. Kurt Freytag, Schulversuche zur Bakteriologie, Seite 26-27. Aulis Verlag, Köln 1968."

Für unseren Versuch eignet sich aber auch ein Fertignährboden in Pulverform für festen Nährboden, der mit Stärke bzw. mit Gelatine versetzt wird.

 

Material: 1 Becherglas (500 ml), 1 Erlenmeyerkolben (500 ml), 1 Glasstab, 1 Zellstoffstopfen, 1 Spatel oder Löffel, Trockennährboden, destilliertes Wasser, Alufolie.

Vorarbeiten: Die Glasgeräte und der Spatel bzw.Löffel müssen sauber mit heißem Wasser abgewaschen werden.

Durchführung: 1. Die für 300 ml Nährlösung (15-20 Nährböden) notwendige Menge Trockennährboden wird abgewogen.

2. In ein sauberes Becherglas werden 150 ml destilliertes Wasser gegeben.

3. Zu dieser Wassermenge wird der abgewogene Trockennährboden gegeben und mit einem sauberen Glasstab verrührt.

4. Das Becherglas wird auf 300 ml mit destilliertem Wasser aufgefüllt und der Inhalt erneut sorgfältig durchgerührt.

5. Der Inhalt des Becherglases wird in einen sauberen Erlenmeyerkolben gefüllt.

6. Der Erlenmeyerkolben wird mit einem Zellstopfen verschlossen. Darüber kommt eine Haube aus Alufolie.

7. In einem Schnellkochtopf (ein Autoklav ist bei Gelatinenährboden ungeeignet) wird der Erlenmeyerkolben mit Inhalt sterilisiert. Beim Schnellkochtopf muß bei 117°C und einem Druck von 1,2bar ca. 2 x 30 min. zum Sterilisieren gekocht werden. Der Erlenmeyerkolben darf dabei den Boden des Topfes nicht berühren (am besten auf einen siebförmigen Einsatz stellen und unbedingt daran denken, 1/4-1/2 l Wasser, welches zur Dampfbildung im Topf wichtig ist, einzufüllen).

8. Nach der Sterilisation muß der noch flüssige Nährboden auf ca. 50°C abkühlen.

Danach kann er in die Petrischalen gefüllt werden und bei Zimmertemperatur erstarren.

Wichtig ist, daß die Petrischalen mit dem erkalteten Nähragar immer verkehrtherum also auf dem Deckel stehen. Dadurch wird vermieden, daß das beim Bebrüten mitunter sich bildende Kondenswasser auf den beimpften Nährboden tropft.

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