Wenn der Pastor einen Witz reißt

Alte Tradition des Osterlachens wird wiederbelebt Von AP-Korrespondent Claus-Peter Tiemann

Hamburg (AP) Daß der Pastor einen Witz erzählt oder Späße macht, gehört üblicherweise nicht zum Gottesdienst. Anders war es früher in der

Osternacht, wenn die Gemeinde sich über die Auferstehung Christi freuen sollte, und der Prediger zum alten Brauch des «Osterlachens» griff. Vom

14. bis zum 17. Jahrhundert gehörte es zur österlichen Liturgie, daß der Pfarrer die Gemeinde durch komische Körpersprache oder derb-lustige

Geschichten zum Lachen brachte, wie das Amt für Öffentlichkeitsdienst der nordelbischen Kirche in Hamburg berichtet.

Allerdings waren die komischen Einlagen der Geistlichen umstritten: Manche Prediger langten ordentlich hin. Der Priester Johannes Hausschein

berichtete im Jahr 1518: «Einer der Prediger schrie immer Kuckuck...Ein anderer legte sich auf Rindermist, tat, als sei er im Begriff ein Kalb

hervorzubringen..wieder einer erzählte, mit welchen Mitteln der Apostel Petrus die Wirte um die Zeche betrog.»

Im 18. und 19. Jahrhundert standen die sogenannten Ostermärlein im Mittelpunkt des Osterlachens, kleine skurrile oder humorvolle Geschichten.

Allerdings wurden sie durch kirchliche Verlautbarungen immer wieder verboten, oft wegen des anzüglichen Inhalts. In jüngster Zeit beleben einzelne

Pfarrer den Brauch wieder. Von seiten der Amtskirche wird aber Wert darauf gelegt, «daß Witze und Anekdoten im Dienste der Osterbotschaft

stehen». In Hamburg wird das Osterlachen beispielsweise in der Hauptkirche St. Katharinen gepflegt.