Teufelsspuren von Devon

 

Geheimnisvolle Hufabdrücke im Schnee

Die "Teufelsspuren von Devon" gehören unzweifelhaft zu dem Bereich der paranormalen Phänomene nach Art des Charles Fort, in dessen Literatur letztlich auch dies Phänomen zu finden ist. Und doch scheint hier mehr dahinter verborgen zu sein.


Pfarrer H. T. Ellacombe

Im Januar und Februar 1855 zitterte Devon unter einer ungewöhnlich starken Winterkälte und das Leben nahm seinen beschwerlichen, monotonen Lauf. Bis über nacht Devon berühmt wurde. Von einem Tag auf den anderen wurde der frische Schnee von schnurgeraden Spuren durchzogen, die unschwer an kleine Abdrücke von Hufen erinnerten. Man schrieb den 9. Februar 1855 und die Bevölkerung rund um die Mündung des Flusses Exe schien in der Nacht vom leibhaftigen Teufel besucht worden zu sein. Hunderte Meilen verliefen die unheimlichen Abdrücke durch die Grafschaft. Doch dabei zeigte sich, daß die Spuren vor nichts und niemanden Halt machten. So etwa verliefen die Teufelsspuren schnurgerade über Hausdächer, Zäune, "durch" Mauern und sogar auf Fensterbänken im zweiten Stock, wie es etwa der Pfarrer H. T. Ellacombe (oben) berichtete. Kein Garten in Devon wurde verschont, überall fanden die Bewohner die Spuren des Satans. Hunderttausende!

Das Phänomen ist geschehen; die Zeugen berichteten alle das Selbe, denn praktisch jeder Einwohner hatte die Abdrücke ja in seinem Garten. Die anerkannte Illustrated London News widmete den Vorfällen jener Nacht einen umfangreichen Bericht:

"Die am Freitagmorgen im (zu diesem Zeitpunkt recht dünnen) Schnee entdeckten Spuren trugen alle Merkmale eines Eselhufes - Länge 10 cm, Breite 5,7 cm. Doch statt der bei diesem (und jedem anderem) Tier üblichen Fortbewegung war hier offenbar in gerader Linie ein Fuß vor den anderen gesetzt worden. Der Abstand zwischen den Tritten betrug 20 cm oder eher mehr - wobei die Spuren in sämtlichen Gemeinden genau dieselbe Größe und Schrittweite aufwiesen! Der geheimnisvolle Besucher durchschritt oder überquerte einen Garten oder Hofraum in der Regel nur einmal, besuchte aber dafür in vielen Teilen der verschiedenen Städte sämtliche Häuser [...] sowie die ringsum verstreuten Gehöfte: In manchen Fällen führte seine regelmäßige, steht's den gleichen Schrittabstand einhaltende Spur über Hausdächer, Heuschober und sehr ansehnliche Mauern (darunter eine von 4,20 m Höhe) hinweg, als hätte diese nicht das geringste Hindernis gebildet, wobei weder hüben noch drüben der Schnee zertrampelt war. [...]


Überschlägt man, welche Strecken zu bewältigen waren, um diese Spuren zu hinterlassen [...], so muß der insgesamt zurückgelegte Weg wohl über hundert Meilen betragen haben. Es ist sehr einfach über diese Erscheinungen zu lachen und leichtfertig zu urteilen, doch in Wirklichkeit konnte bis jetzt noch keine befriedigende Erklärung gefunden werden. Kein bekanntes Tier hätte einen so ausgedehnten Bereich in einer einigen Nacht durchstreifen und dazu eine zwei Meilen breite Flußmündung überqueren können."

Charles Fort (1874 bis 1932), der wahrscheinlich als erster Forscher akribisch sämtliche Zeitungsberichte über unerklärliche Vorfälle in der Welt sammelte und auswertete, legte im Jahr 1919 sein ersten Buch The Book of the Dammed ("Das Buch der Verdammten") vor. In diesem berichtet er auch über die ominösen Teufelsspuren aus England, wobei Fort auch die damaligen Erklärungen nennt. So etwa sah man in den Spuren die Hinterlassenschaften eines Dachses (!), der des nachts durch die Gemeinde wandelte. Einige dachten an die Krallen großer Greifer, die folgerichtig über Meilen gerade durch den Schnee hüpften. Dann hieß es, es könne sich um die herunter hängenden Taue von Ballonen gehandelt haben, die immer wieder den Boden berührten (in gleichen Abständen und gerade über Kilometer?). Oder aber Ratten, Wölfe oder Otter seien hier entlang gelaufen. Wieder andere spekulierten, ein entlaufendes Känguruh aus einem Zirkus sei für die Spuren verantwortlich. Sicher auch deshalb, da viele Abdrücke scheinbar über Mauern verliefen und auf Dächern und auf Fenstersimsen zu finden waren. Fort kommentiert diese Erklärung humorvoll mit den Worten:

"Ich selbst nehme an, daß mindestens eintausend einbeinige Känguruhs, die mit kleinen Hufeisen beschlagen waren, ihre Abdrücke im Schnee von Devonshire hinterlassen haben könnten."

Während damals die betroffenen Bewohner vom Teufel bis zum Dachs sämtliche Erklärungen heranzogen, zogen einigen der Einwohner der Grafschaft aus, um mit Waffengewalt daß vermeintliche "Tier" zu erlegen. Die Times aus London bemerkte, daß noch Wochen nach erscheinen der rätselhaften Spuren, die Bewohner und andere, die dem Phänomen "wissenschaftlicher" nachgehen wollten, über die Herkunft rätselten:

"Das Interesse an der Angelegenheit hat kaum nachgelassen. Immer noch werden zahlreiche Untersuchungen über den Ursprung der Abdrücke angestellt, die am Morgen des 8. Februar für große Aufregung gesorgt hatten. [Wir können festhalten], daß in Dawlish eine ganze Reihe von Leuten mit Gewehren und anderweitig bewaffnet auszog, um, soweit möglich, das Tier zu finden und zu töten, das mit so großem Eifer die Fußabdrücke hinterlassen haben soll. Wie zu vermuten war, kehrte der Suchtrupp unverrichteter Dinge zurück. [...] die ganze Angelegenheit ist so geheimnisvoll wie eh und je."

Tatsächlich: Auch heute noch ist das Phänomen ein Rätsel. Rätselhaft auch das: Fort berichtet, daß die Fußspuren (links) eher den Eindruck machten, als sei der Schnee innerhalb der Spuren geschmolzen, nicht aber, wie zu erwarten wäre, durch das Gewicht des Verursachers zusammengepreßt.

Erstaunliches jedoch offenbart sich, wenn das Thema der teuflischen Spuren etwas intensiver vertieft wird. Denn es zeigt sich, daß nicht nur die Gegend der Grafschaft Devon von diesem Phänomen heimgesucht wurde! Im Mai 1846 beispielsweise trug die Antartisexpedition von Sir James Clark Ross (nachdem das von ihm 1841 entdeckte Rossmeer an der Südspitze der Antarktis benannt wurde) in ihr Tagebuch, daß sie auf den Kerguelen-Inseln hufeisenförmige Spuren fanden, die von keinem dortigen Tier stammen konnten.


der angebliche Jersey-Teufel

Im 19. Jahrhundert erschienen rätselhafte Spuren an den Stränden von New Jersey, USA, die man dem sogenannten Jersey-Teufel zusprach. Tatsächlich sollen sie Mauern und andere Hindernisse durchschritten haben - wie in Devon. Und auch 1945 sollen in Belgien derartige Abdrücke gefunden worden sein. Die Illustrated London News berichtete, daß alljährlich fast die selben Abdrücke auch im Schnee auf einem Hügel nahe der polnischen Grenzen erschienen. Es scheint sich also nicht um ein Phänomen zu handeln, das sich nur in Devon zutrug.

Der Schriftsteller und Phänomene-Forscher Viktor Farkas berichtet, daß ein Mr. Wilson im Oktober 1950 an einer Küste nahe Devon eine Art Hufspur fand, dessen zwei Meter Schrittweite direkt ins Meer führte. Hier scheint es interessant zu werden. Sollte es sich bei dem Verursacher der Spuren in Devon oder auch anderswo um ein kryptozoologisches Tier aus den Tiefen des Meeres handeln? Nun, die hypothetische Möglichkeit besteht ohne jeden Zweifel, da die Ozeane und ihre Lebewesen mit Sicherheit nicht in ihrer Gänze bekannt sind.

Unterstützung findet diese Hypothese durch eine rätselhafte Entdeckung im November 1953 an der Küste der Canvey-Inseln, Großbritannien. Dort lag am Stand ein unbekanntes Tier mit einer dicken rotbräunlichen Haut und ca. 80 Zentimetern Länge. Zwei Zoologen wurde zu Rate gezogen, die den Kadaver begutachteten, einige Bilder schossen und ihn letztendlich als "unbekannt" klassifizierten. Die Zoologen vermuteten, daß es ein Meeresbewohner ist, der aber auch aufrecht über das Festland "laufen" konnte. Das Tier geriet im Laufe der Zeit schnell wieder in Vergessenheit.

Doch am 11. August 1954 entdeckte Reverend Joseph Overs nahe der ersten Fundstelle ein identisches Tier, das scheinbar von der Flut angeschwemmt wurde. Auch dieser Kadaver wurde näher untersucht. Er wog ca. 25 Pfund, war fast doppelt so groß wie das erste Exemplar, hatte eine Hautfarbe, die an ein Schwein erinnerte, zeigte Kiemen und scharfe Zähne sowie zwei sehr große Augen. Doch besonders interessant waren die zwei kleinen Beine, denn diese endeten in hufeisenförmiegen Füßen.

Mehr als bedauerlich ist es, daß keine weiteren Beschreibungen oder gar Fotos dieses Wesens veröffentlicht wurden. Es gibt auch keinen offiziellen Untersuchungsbericht. Dennoch können wir spekulieren, daß eben diese Kreaturen für die Teufelsspuren verantwortlich waren/sind. Die "Teufelsspuren von Devon" könnten demnach nicht ein PSI-Phänomen sein, sondern ein rein kryptozoologisches Rätsel. Man weiß es bis heute nicht.

 

[Dokument: "Teufelsspuren von Devon"]

[Quelle: http://www.alien.de/fischinger/Artikel8.html]