Heiko Weckbrodt: Die Innovationspolitik in der DDR 1971-1989

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Konzeption

Unzweifelhaft blieb die DDR-Wirtschaft technologisch, organisatorisch und kostenseitig weit hinter den offiziell proklamierten Zielen zurück. Die Ineffizienz der Volkswirtschaft und ihr Unvermögen, den Bürgern Waren in ausreichender Menge und Qualität bereitzustellen, trug nicht unwesentlich zur Implosion des kleineren Deutschlands 1989 bei. In der heutigen öffentlichen Diskussion erschöpft sich die Suche nach den dafür verantwortlichen Gründen leider oft in dem Hinweis, eine "Kommandowirtschaft" könne nun einmal nicht funktionieren. Die tieferen Ursachen, die Strukturdefizite, die Veränderungen des Weltmarktes in Ost und West, die politischen Interdependenzen oder der Ablauf von Innovationen werden für den Zeitraum 1971-89 meist nur vereinzelt behandelt, wobei die konkreten Informationen, die in den geöffneten Archiven zur Verfügung stehen, oft zugunsten eines glatten Gesamtbildes vernachlässigt werden.

Die Arbeit untersucht deshalb die ostdeutschen Bemühungen auf zentraler (Partei- und Wirtschaftsführung), mittlerer (Kombinate, Parteibezirksleitungen) und unterer Ebene (Betriebe, F/E-Abteilungen, Entwickler und Funktionäre aus Wirtschaft, Staatsapparat und Partei) zur Verfahrens-, Produkt- und Strukturereneuerung während der Amtszeit Honeckers. Gefragt wird nach den Vorbildern, Mechanismen, Akteuren und Ergebnissen dieser Innovationsanstrengungen.

Ein genereller Überblick skizziert zunächst die generellen Entwicklungen auf wirtschaftspolitischem, wirtschaftsorganisatorischem und außenwirtschaftlichem Gebiet. Das nächste Kapitel geht eine Stufe tiefer und untersucht die Innovationsanstrengungen in ausgewählten Industriebranchen. Berücksichtigt werden sowohl die besonders geförderten Zweige wie die Mikrolektronik, der Computerbau, aber auch Industrien wie der Landmaschinenbau. Das dritte Kapitel schließlich zeigt tiefenanalytisch den Ablauf eines konkreten Investitionsvorhabens in der Praxis.

 

Einige Ergebnisse

Der Autor kommt zu dem Ergebnis, daß für die Innovationsschwäche der DDR-Wirtschaft ein ganzes Ursachenbündel zur Erklärung herangezogen werden muß. Als nachteilig erwies sich zweifellos der geringe Spielraum, der den Wirtschaftseinheiten zur Verfügung stand. Die Entscheidung über alle wichtigeren Investitionen wurden zentral gefällt. Einen oft ausschlaggebenden Einfluß hatte das ZK-Sekretariat, daß mit seinen Zuarbeiten für die Wirtschaftskommission, Wirtschaftssekretär Mittag und das Politbüro oft Vorentscheidungen traf. Dabei gab es nicht selten Differenzen zwischen den verschiedenen Sekretariatsbereichen,die, zumindest in den hier betrachteten Branchen, i.d.R. zugunsten der "mächtigeren"Abteilungen wie z.B. der Abt. MM /Metallurgie, Maschinenbau und E-Industrie) entschieden wurden.

Wie im Sekretariat war bei allen untersuchten Entscheidungsträgern zu beobachten, daß diese meist durchaus über die nötigen Informationen verfügten, um sinnvolle Innovationsentscheidungen zu treffen. Impulse für solche Entscheidungen kamen z.B.durch (besonders ab Anfang der 80er Jahre verstärkt zu registrierende) Westreisen der Entscheidungsträger, Messebesuche, vertragliche Absprachen mit RGW-Partnern und direkte Eingaben von "Experten" außerhalb des höheren Parteiapparates. Häufig wurden neue Entwicklungen auf dem Weltmarkt aber erst spät ernst genommen. Dies führte dann nicht selten zu Panikreaktionen und überstürzten, schlecht vorbereiteten Investitionsprogrammen.

Daneben gab es für Innovationsvorhaben in der DDR auch objektive Grenzen, die ohne eine prinzipielle politische Veränderung nicht gelöst werden konnten. Zu nennen sind mangelnde Zugriffsmöglichkeiten auf neueste Technologien und Materialien, die durch aufwendige Eigenentwicklungen oder illegale Importe ausgeglichen werden mußten. Die Folge auch für interessante und neue Ideen der Forscher und Entwickler war, daß der größte Zeitverzug in der Überleitung in die Produktion auftrat. Hoffnungen der SED-Führung, die fehlende Integration der DDR in den westlichen Weltmarkt durch Kooperationen besonders mit der SU wettzumachen, scheiterte häufig an den Eigeninteressen der verschiedenen sozialistischen Volkswirtschaften.

Die Konzentration der Mittel in der 2. Hälfte der 80er Jahre auf Schwerpunktprogramme führte in diesen Förderprojekten zwar zu technischen, nicht aber zu wirtschaftlichen Fortschritten. Die Mittelumlenkung bewirkte gleichzeitig eine Schwächung der restlichen Wirtschaft, was über die Zulieferbetriebe auch auf die Schwerpunktvorhaben zurückwirkte.Unter diesen Bedingungen konnten die gleichzeitig angegangenen vorsichtigen Experimente in Richtung einer höheren Eigenverantwortlichkeit der Wirtschaftseinheiten /z.B. Eigenerwirtschaftung der Mittel, exportabhängige Verfügungsfonds) nur wenig greifen.

In der Folge wird ein Ausschnitt aus dieser Arbeit vorgestellt (ohne Fußnoten).

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