Chronik Stoyke - (1949-1960)

Familie Stoyke, Groß Plowenz (5)

Flucht nach Westdeutschland (1960) und Neuanfang in Schwanewede

1961 stand die Grenzziehung zwischen Ost- und Westdeutschland bevor. Die politische Lage hatte sich derart verschlechtert, daß Kurt Stoyke noch ein Jahr zuvor entschied, mit der Familie in den Westen zu gehen. In einer Nacht- und Nebelaktion verließen Stoykes heimlich den Hof. Nur die Söhne Horst und Joachim blieben noch. Letzterer arbeitete bei der Reichsbahn in Westberlin. Sohn Hans, 1949 aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt, lebte derweil mit seiner Frau Annelore (geb. Wosny) in Neubrandenburg.

Stoykes planten, von Westberlin aus ausgeflogen zu werden. Der Landweg in den Westen war bereits versperrt.

Während dieser Zeit kamen Erika und ihre Eltern für einige Tage bei der entfernten Verwandtschaft bei Elfriede Granitza unter.

Von einer amtlichen Stelle für Übersiedler hatten Stoykes bereits ihre Flugtickets erhalten. Die Reise sollte nach Nürnberg gehen. Fast alle Bekannten und Verwandten lebten aber in Norddeutschland. Es war ein Freitag. Da erkundigte sich Elfriede Granitza bei einem Bekannten, der bei der Emigrantenbehörde arbeitete, auf die Bitte Kurt Stoykes hin nach der Möglichkeit einer Änderung des Flugzieles. Dieser unterbreitete daraufhin ein Angebot: Vorausgesetzt, Stoykes könnten eine Unterbringung im norddeutschen Raum glaubhaft nachweisen, sollten sie die gewünschten Flugtickets nach Hannover erhalten.

Alle Verwandten, von Hildesheim bis Bremen, wurden nun telefonisch aufgefordert, nach einer neuen Bleibe für die Wildberger zu forschen. Auch die Schmidts in Schwanewede, Kreis Osterholz-Scharmbeck erreichte die dringende Nachricht. Über meinen Rudy Schmidt sollten Stoykes schließlich die gewünschte Unterkunft vermittelt bekommen.

Mit einem seiner Brüder fuhr Ulrich Schmidt noch am gleichen Tag, einem Sonntagnachmittag, zum Ortsbürgermeister. Aus der Feier zu dessen Geburtstag heraus unterzeichnete und stempelte dieser die notwendigen Papiere, die noch am gleichen Abend als Eilsendung nach Berlin abgeschickt wurden.

Am darauffolgenden Morgen konnte Erika Stoyke der Behörde das Dokument vorlegen. Sie erhielt die gewünschten Flugscheine.

Für ihre Eltern Kurt und Käthe in hohem Alter war es die erste und einzige Flugreise ihres Lebens. Während Käthe dabei recht bange war, hatten ihr Mann und Tochter Erika ihre helle Freude an dem Flug.

Während die Stoykes zunächst für drei Monate bei Rudy Schmidt im Memeler Weg in Schwanewede unterkamen, zogen sie anschließend in eine Wohnung des Zweifamilienhauses in der Riesenburger Straße in Bremen-Blumenthal (Hausnr.14) ein.

Da Kurt Stoyke sehr kontaktfreudig und aufgeschlossen war, hatte er schon bald nach dem Bezug der Wohnung in der Riesenburger Straße ein Neubaugebiet in Schwanewede entdeckt und den Bauherrn ausfindig gemacht.

Neubau in Schwanewede

Foto: 1965 Schwanewede, Kreis Osterholz-Scharmbeck
Das neue Heim für die Familie Stoyke aus Groß Plowenz



Mit Hilfe von Sonderkrediten, die den Flüchtlingen gewährt wurden, finanzierte die Familie einen Neubau. 1965 fand der Einzug statt.






Chronik Stoyke - (1949-1960)

Copyright © 1999 ff. Olaf Schmidt

Ich gestatte die Verwendung der Informationen meiner genalogischen Homepage für die private, nicht-kommerzielle Familienforschung. Nicht gestattet sind Reproduktion, Wiedergabe und der Verkauf dieser Informationen zu kommerziellen Zwecken und für die nicht-genealogische Verwendung.