Chronik Stoyke - Vorgeschichte bis 1900 Chronik Stoyke - Die Flucht 1945-1949

Familie Stoyke, Groß Plowenz (2)

Leben auf Mnich am See (1900-1945)

Das Hofgebäude lag am Ufer des Plowenzer Sees. Das Wohngebäude war zum größten Teil gemauert, ein kleinerer Teil habe aus "Bohlen" bestanden. Das Dach war mit einer Teerpappe gedeckt. Das Gebäude war weiß gestrichen. Vom Hauseingang gesehen, reihten sich zur Linken und zur Rechten verschiedene mit Reet gedeckte Ställe aneinander. Im vordersten Teil waren die Pferde untergebracht, dann schloß sich der Kuhstall an. Etwa zehn Stück Vieh zählte der Hof. Zuletzt kam ein Stall für die Sauen mit ihren Ferkeln. Für die Mastschweine war ein separater Bau zur Rechten vorgesehen, ebenfalls mit Reet gedeckt. Den Abschluß des Hofes bildete die Scheune.

Vom Hof führte der Weg hinter dem Schweine- und Geflügelstall zu einer schilffreien Stelle am Seeufer hinunter, wo man badete und die Pferde tränkte.

Gruppenfoto Karl Stoyke und FamilieFoto: ca. 1922 - Mnich am See, Gr. Plowenz, Kreis Strasburg

von links: Hans Martin Stoyke, Käthe Julie Lina Stoyke (geb. Bomke), Ewald Kurt Stoyke, Horst Stoyke
sitzend: Bertha Stoyke (geb. Schmidt), Karl Stoyke

In unmittelbarer Nähe dazu sprudelte frisches Quellwasser aus dem Hang: man sprach vom "Spring". Im Garten hinter dem Wohnhaus gab es eine Sitzbank mit herrlicher Aussicht über den Blumengarten hinweg auf die Wasserfläche des Plowenzer Sees. Ein schmaler Pfad führte den Hang hinunter. Seine Wegränder waren mit Dahlien bepflanzt.

"Im Herbst 1928 feierte Karl Stoyke, verheiratet mit Bertha Schmidt aus Neubrück bei Lessen, das seltene Fest der Goldenen Hochzeit. Nach Mnicher Tradition wurde der Tag feierlichst begangen.(...) Der Plowenzer Seebesitzer war Otto Klein, verheiratet mit Maria ..., bei dem man die schönsten Aale, Hechte und Schleie kaufen konnte. Im Sommer herrschte hier ein unbeschwertes Badeleben. Es war auch ein beliebtes Ausflugsziel für viele Städter, so Gosslershausen, Thorn, Lübeck. Sogar Danziger suchten Erholung am romantisch gelegenen Plowenzer See. Wunderbar war auch eine Schlittenfahrt auf dem Plowenzer See, wenn der Rauhreif den Leistenauer Wald märchenhaft verzaubert hatte. Auch seriöse Herren in netter Begleitung mochten hier gerne angeln gehen."

In den Sommermonaten kamen entfernte Verwandte sogar aus Lübeck und Berlin zu Besuch. Auf dem Hof wurden ein treuer polnischer Knecht mit Namen Jacho sowie zwei Hausmädchen beschäftigt.

Der zweitälteste Sohn von Kurt und Käthe, Hans Stoyke, verließ den heimatlichen Hof bereits im Alter von 15 Jahren. Er begab sich zu einem Förster in die Lehre. Später wurde er als Soldat zur Wehrmacht eingezogen.

Östlich des Gehöftes der Stoykes lag das sogenannte "Insthaus". Dort wohnte ein Arbeiter mit seiner Familie, der gegen Bezahlung auf dem Hof arbeitete, aber auch ein eigenes Stück Garten bewirtschaftete.

Für die Dienstmädchen und den Knecht standen nicht einmal eigene Kammern zur Verfügung.

Letzterer schlief zwischen den Kühen, auch im Winter. Jacho soll ein großer Kinderfreund gewesenen sein. Er selbst hatte ein kindliches Gemüt und sei "ein wenig zurückgeblieben" gewesen. Die größte Freude bereitete ihm eine Tüte voll Selbstgebackenem, die er zu Weihnachten von Käthe Stoyke erhielt. "Dann strahlten seine Augen." Für die Hausmädchen wurde erst später eine eigene Unterkunft hergerichtet.

Die anderen, am nördlichen Ufer des Plowenzer Sees gelegenen Parzellen wurden erst nach dem 1. Weltkrieg besiedelt. Außerdem liegt in der Nähe des Stoyke´schen Hofes noch heute das Haus des Fischers, heute eines Polen.

"Nicht weit vom See hatten wir in Plowenz noch ein herrliches Fleckchen Erde, und zwar wo die Struga in den Mühlenteich mündet, anschließend die Schleuse. Zwischen Schleuse und Mühlenteich eine schmale Brücke, nach Osten durch eine hohe Böschung abgeschirmt, die mit allerlei Bäumen und Sträuchern bewachsen war. Hier blühten auch die schönsten Anemonen, Leberblümchen und Schlüsselblumen. Außer dem Rauschen des Wassers herrschte hier tiefste Einsamkeit.

Gegenüber von Mühle und Teich lag die Schwedenschanze (Heidenschanze), dahinter der evangelische Friedhof. Unterhalb der Schwedenschanze lagen die Stallungen und Scheune des Müllers. Das Grundstück war durch die Landstraße getrennt. An dieser Stelle stand 1222 die Heidenburg. Die Heidenschanze (auch Schwedenschanze genannt) diente der Heidenburg als Verteidigungswall.

Die Schwedenschanze ist bewachsen mit Birken, Haselnußsträuchern, wilden Rosen und Kiefern. Die Seitenflächen sind mit Gras bewachsen. Vom höchsten Punkt der Schanze konnte man den Plowenzer See, den dahinter liegenden Leistenauer Wald, das Ossatal, rechts den Pfarrsee gut übersehen.

Die zweite Schwedenschanze lag östlich auf dem Grundstück von Kurt Stoyke. Diese Schanze ist mit Tannen bewachsen. Auch von hier hat man eine gute Aussicht auf den Plowenzer See und das linke Ossatal. (...)

Nach dem 1. Weltkrieg verkauften viele Bauern ihre Grundstücke, etliche vertauschten sie und zogen fort." [E. Sommerfeld] Zu den Bauern, die in Plowenz blieben, gehörte auch Kurt Stoyke.

Wie eingangs erwähnt, hatte Kurt zwei Geschwister, einen Bruder mit Namen Maximilian und eine Schwester namens Johanna. Max verließ den elterlichen Hof, Johanna heiratete einen Paul Albert Joeschke. Kurt aber führte den über hundertjährigen Hof in Mnich weiter.

Paul Joeschke war ein geschickter Gutsverwalter. Als Direktorverwalter trug er die Verantwortung für neun Güter des Grafen Albrecht von Alvensleben in Ostrometzko, Kr. Kulm (Westpreußen). Er verstand sein Handwerk. Darum lag der Gedanke nicht fern, einen eigenen Hof zu gründen. Was fehlte, war das notwendige Startkapital. Ein Kredit mußte aufgenommen werden. Doch sollte jemand für das Geld haften. Bertha Stoyke wies ihren Sohn Kurt an, der Familie der Tochter zu helfen, indem er den Hof zu Mnich als Bürgschaft einsetzte. Dessen Frau Käthe dagegen bat ihren Mann, dieser Weisung auf keinen Fall Folge zu leisten. Sie fürchtete um den Hof und handelte sich damit die Mißgunst ihrer Schwiegermutter ein.

Kurt aber gab nach und stand für seinen Schwager ein. Letzterer erstand bei Roggenhausen, Kr. Graudenz 180 Morgen Land. Wie es das Schicksal wollte, klappte es auf dem frisch gegründeten Hof mit der Wirtschaft nicht. Die neue Wirtschaft ging in Konkurs. Nun drohte dem Stammhof in Mnich die Pfändung, denn Rücklagen gab es kaum.

Für die Stoykes in Plowenz brachen nun schwere Jahre an. Ständig drohten Gerichtsvollzieher Vieh und Inventar zu beschlagnahmen. Daher wurden Kühe und Arbeitsmaschinen in dieser Zeit zum größten Teil auf die umliegenden, befreundeten Höfe verteilt. Der alte Hof war in großer Gefahr.

In späteren Jahren entspannte sich die Situation. Dennoch mahnte Paul Joeschke seinen Sohn noch vor seinem Ableben, er solle Stoykes jede in seinen Krä:ften stehende Hilfe gewähren, sofern diese vonnöten sei.

Tatsächlich zeigte sich Joeschkes Sohn später großzügig gegenüber seinen Cousins und seiner Cousine, die ein gutes Verhältnis untereinander pflegten.

"Der Winter 1928/29 war ungewöhnlich hart. In einigen Nächten ließ Polarkälte das Thermometer auf -40 °C absinken. Im Frühjahr stellte sich dann heraus, das viele Obstbäume, Sträucher, Bienenvölker und Saaten erfroren waren. Obwohl die Kälte unerträglich war, der Geburtstag von Tante Frieda [Lipski, geb. Keck, verwitwete Stoyke; Anm. Verf.] wurde gefeiert (11.02.1929). Das Erlenholz prasselte im Ofen, der Grog dampfte. Frau Lipski und Frau Karau sorgten für musikalische Unterhaltung. Die beliebtesten Klavierstücke der damaligen Zeit waren: ´Das Gebet einer Jungfrau´, ´Die Post im Walde´, ´Die Petersburger Schlittenfahrt´, ´Alte Kameraden´, beliebt bei alten Kriegern." [E. Sommerfeld]

Gruppenfoto im Garten der Familie Kurt Stoyke in Mnich am See



Foto: ca. 1943 - Mnich am See, Groß Plowenz, Kreis Strasburg

von links: Ingo Stoyke (Klein Rehwalde), Herr Wolf, Berta Wolf (verwitwete Stoyke - Willi, Klein Rehwalde), Horst Stoyke, Joachim Stoyke, Käthe Stoyke (geb. Bomke), Hans-Martin Stoyke, Erika Schmidt (geb. Stoyke), Ewald Kurt Stoyke.










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