Chronik Schmidt 1919-1945

Familie Schmidt, Drückenhof (4)

Vollersode (1945 - 1948) und Baracke Schwanewede (1948 - 1954)

Berta Schmidt (geb. Schiemann) war, wie bereits beschrieben, nach der Flucht zunächst auf den Hof des Bauern Heinrich Tietjen in Vollersode, Kreis Osterholz-Scharmbeck gezogen (Nr. 24). Dort wurde u.a. fleißig Torf gestochen; eine schwere körperliche Arbeit.

Scheune des Hofes Hermann Tietjen in Vollersode 1945-48

Foto: 1945-1948 Vollersode, Kreis Osterholz-Scharmbeck:
vor der Scheune des Bauern Hermann Tietjen

Der große Hof des Bauern Hermann Tietjen liegt am Ende des Dorfes. Das Wohngebäude ist heute von herrlichen Kastanien umgeben. Im Vorgarten breitet sich Rhododendron aus. Der Wirtschaftstrakt dagegen macht einen hinfälligen Eindruck. Das Dach des Schweinestalls am hinteren Teil des gepflasterten Hofes ist eingestürzt, das ehemalige Backhaus existiert nicht mehr. In ihm gab es eine Kochgelegenheit für die Flüchtlinge.

Die ungebetenen Gäste wurden nicht gerne aufgenommen. Die Bauern waren dazu verpflichtet worden.

Die alte Schule liegt quer gegenüber am Weg. Das Glockentürmchen krönt noch heute den First. Hier drückte Ulrich Schmidt die Schulbank.

Zum Konfirmandenunterricht mußte Ulrich in den benachbarten Ort Hambergen gehen.

Erich Schmidt, der schon in Briesen bei der Reichsbahn gearbeitet hatte, wurde nach dem Kriege in Hamburg von der Deutschen Bundesbahn angestellt. Er lernte seine zweite Frau Lotti kennen und heiratete sie.

Heinz Schmidt nahm in der Anfangszeit eine Hilfstätigkeit bei den amerikanischen Besatzungstruppen in Lübberstedt auf. Sein Bruder Rudy half bei einem Bauern in Wallhöfen aus. Später fanden er und Heinz in einer Furnierfabrik in Bremen Arbeit. Mit Fahrrädern radelten sie täglich dorthin. In dieser Firma geschah später auch jener Unfall, bei dem Rudy eine Hand verlor.

In Schwanewede, Kreis Osterholz-Scharmbeck wurde zwischenzeitlich eine Baracke frei. Die günstige Nähe zur Stadt Bremen förderte den Entschluß, dorthin überzusiedeln. Mit dem Umzug am 10.12.1948 hatte Ulrich seinen ersten Schultag im Ort.

Seine Schwester Alice berichtete, die Baracke habe keine Fensterscheiben besessen.

Man behalf sich mit Decken, die in der kalten Jahreszeit vor die Öffnungen gehängt wurden. Heizmaterial, nämlich Kohle, wurde rationiert von der Gemeinde zugeteilt. Zudem fuhr Alice mit einem ihrer Brüder weiterhin mit dem Fahrrad nach Meyenburg, um im Forst Düngel Ausschau nach Brennholz zu halten.

Als der Frühling nahte, der Schnee taute und es zu regnen begann, tropfte es durch das marode Dach der Behausung. Eine selbstgebastelte Dachrinne leitete das Traufwasser in einen Eimer.

Gerade die Baracke 39, in der die Familie Schmidt lebte, ist als Rest des ehemaligen Barackenlagers in der Königsberger Straße erhalten geblieben und wird von einer älteren Dame bewohnt.

Jacob Krieg, der Käte Schmidt geheiratet hatte, baute als erster ein Haus im Insterburger Weg. Es folgte meine Großmutter Berta Schmidt mit den Kindern Rudy und Ulrich (Bau: 1953, Einzug: 1954), schließlich Kurt Kniffka, der Alice Schmidt geehelicht hatte und Emilie Krieg.


Chronik Schmidt 1919-1945

Copyright © 1999 ff. Olaf Schmidt

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