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Familie Schmidt, Drückenhof (Kreis Briesen)

Zur Vorgeschichte (bis 1919)

Ältester Stammhalter ist Gottlieb Schmidt, geb. 1806 in Glotof (auch Gertow). Seine Frau, Elisabeth Kriese wurde in Rosshof geboren. Die Ortsnamen sind noch genauer zu lokalisieren, aber können in der Gegend von Lublin/Chelm (Russisch Polen) angenommen werden.

Genauere Angaben erhalten wir erstmalig durch die Geburt ihres Enkels Julius, der 1887 in Tomaszowka im Kreis Chelm zur Welt kam. Eine "Feststellung der Staatsangehörigkeit" des Enkels Friedrich zeichnet die Stationen der an verschiedenen Orten des heutigen Polens siedelnden Familie nach. Friedrich kam demnach 1892 in Wulki, Bezirk Lublin, als Sohn von Gottfried (*1841 †1936) und Rosalie geb. Düsterhöft (*1863 †1952) zur Welt.

Gruppenfoto Gottfried Schmidt und Familie

Foto: ca. 1924 - Kreis Graudenz
von links: Hildegard Oheim (geb. Schmidt), Rosalie Schmidt (geb. Düsterheft), Gottfried Schmidt, Herbert Schmidt (sitzend)

Die Familie war sehr fruchtbar, denn der Überlieferung nach [Irmgard Kosfeld (Herne), Eugen Schmidt (Ravensburg)] hatte Gottfried insgesamt 15 Kinder, wobei 13 (!) von seiner zweiten Frau Rosalie stammen sollen. Zum derzeitigen Zeitpunkt sind 4 Nachkommen namentlich noch nicht bekannt.

Die bekannten Namen sind:

Bereits 1896 siedelte die Familie innerhalb des Bezirkes Lublin von Wulki nach Olympin um. Sie betrieb dort Landwirtschaft.

1912 siedelte die Familie abermals um, dieses Mal nach Groß Leistenau, Kreis Graudenz. Später bewirtschafteten Schmidts in Groß Partenschin einen eigenen Hof. Wilhelm übernahm nach dem Tode des Vaters 1938 den elterlichen Hof.

Die meisten Söhne lebten laut Überlieferung im Umkreis von Königsberg (Ostpreußen), einzelne wie z.B. auch Sigmund wanderten im Streben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit schon vor dem zweiten Weltkrieg in den Westen aus.

Bald nach der Heirat Julius Schmidts mit Berta geb. Schiemann am 12. Juni 1913 müssen die Beiden einen landwirtschaftlichen Hof in Adlig Jellen, Kreis Graudenz erstanden haben.

Hof der Familie Schmidt in Partenschin, Kreis GraudenzFoto: vor April 1936 - Groß Partenschin, Kreis Graudenz: Bauernhof der Familie Gottfried Schmidt
von links: Helmut Schmidt, Elisabeth Schmidt (geb. Stoll), Herbert Schmidt, Wilhelm Schmidt, Rosalie Schmidt (geb. Düsterheft), N.N., Gottfried Schmidt

Schon zwei Jahre später wurde Julius in den Militärdienst eingezogen.

Die Kinder Frieda, verh. Rösler (*1914) und Erich (*1915) waren bereits geboren. Mein Großvater gehörte seit 2. Februar 1915 dem 3. königlichen Fußartillerie- Regiment 5 an. Er diente dort als Kanonier.

Aus dem Militärpaß gehen folgende Einsatzorte hervor:

"10. Feldzüge, Verwundungen:

  • Osten: Lomaza
  • Westen: Soissons
    Gruduv a.d. Aa
Ausgefertigt nach der Kriegsstammrolle, den 17ten März 1919
Gramschütz/Schlesien:
J. gehörte an vom

Am dritten Tag des Einsatzes in Soissons (ca. 100 km nö. Paris) wurde Julius verwundet. Es brauchte rund vier Monate, bis er nach Graudenz in die Heimat gebracht worden war und weitere 11½ Monate, bis er zu Familie und Hof zurückkehren konnte

Nachdem mein Julius Schmidt aus dem Krieg zurückgekehrt war, mußte er, trotz seiner Verwundung, die schwere Feldarbeit alleine mit Hilfe seiner Familie verrichten. Auch fehlte durch eine Schußverletzung ein Teil seines linken Armes, so daß man "Sehnen und Knochen freiliegen sah".

Seit 1916 lebte Berta Schmidt mit ihren beiden Kindern bei der Verwandtschaft in Rittershausen, Kreis Graudenz. Erst als ihr Mann aus dem Krieg zurückkehrte, legten sich die beiden wieder eine eigene Wirtschaft zu.

Am 1. Februar 1919 kaufte Julius dem Landwirt Steinke Hof und Bewirtschaftungsflächen in Drückenhof ab. Die "Ansiedlungs- kommission für Westpreußen und Pommern" versagt aber die Genehmigung zu diesem Handel. Der Staat droht mit seinem Wiederkaufsrecht, sollte das Grundstück nicht bis April wieder, wie ursprünglich, im Eigentum des Landwirts Kelbert sein. Dieser hatte aber das Grundstück aus gesundheitlichen Gründen an Emanuel Steinke verkaufen müssen. Der Landwirt Steinke wiederum beabsichtigte aber nicht in Drückenhof zu bleiben, sondern hatte andernorts 20 Morgen Land in Aussicht.

Es entstand ein reger Briefwechsel zwischen vorgenannter Ansiedlungskommission und dem Notar Giese, der das Anliegen der Familie vertrat.

Er bittet um Angabe von Gründen für die Verweigerung der Genehmigung und erklärt u.a. folgendes:

"Julius war 4 Jahre im Feldzuge. Seine Frau ist seit langer Zeit kränklich." Daher "mußte Julius das Grundstück [in Adl. Jellen] 1916 verkaufen", da er "andernfalls einen großen Vermögensschaden" in Kauf hätte nehmen müssen. "Nachdem Julius aus dem Felde zurückgekehrt ist, sah er sich wiederum nach einem Grundstück um und kaufte dieses von Emanuel Steinke. Es wäre für Julius eine große Härte, wenn er nunmehr das Grundstück verlassen müßte. Er hat dort schon große Aufwendungen gemacht, in der Meinung, daß er für viele Jahre auf dem Grundstück bleiben könne. Die Härte würde umso größer sein, als Julius jahrelang im Felde war und nunmehr vielleicht auf ganz formelle Bedenken hin eine derartig schwere Sorge erleben muß."

Der Landwirt Kelbert habe längst ein anderes Grundstück in Deutschenthal/Strasburg gekauft und aufgelassen.

Er könne daher nicht das Grundstück in Drückenhof übernehmen. Deshalb müsse der Staat von seinem Wiederkaufsrecht Gebrauch machen, um das Grundstück dann wieder an Julius zu verkaufen. Er fährt fort, es dürfe deshalb "unter den hier vorliegenden Umständen letzten Endes gleichgültig sein, ob Julius das Grundstück aufgrund des zwischen ihm mit Steinke geschlossenen Kaufvertrages weiter behält oder ob er es dann vom Staat nochmals kauft. Es würden dem Julius allerdings unnütze Kosten entstehen.

Ich setze hierbei voraus, daß gegen die Person des Julius Bedenken nicht vorliegen. Soweit mir bekannt, ist Julius ein Deutscher und evangelischer Religion."

Das Schreiben hat Erfolg: am 3. Januar 1920 übersendet die Landeskulturbehörde die erhoffte Veräußerungsgenehmigung.

Das Eigentum über Land und Hof ist nun legal.


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