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Groß Plowenz und Mnich am See im Mai 1996, Kreis Strasburg

1996-05-24

Früh morgens verließen wir, gestärkt durch ein ausgiebiges Frühstück, die gastliche Bleibe in Gramzow an der deutsch-polnischen Grenze. Bereits nach kurzer Fahrt über den Rest einer ehemaligen Autobahn erreichten wir den Grenzübergang Pomellen. Davor reiht sich über etliche Kilometer Länge ein LKW an den nächsten. Die Fahrzeuge müssen bis zu 48 Stunden auf ihre Abfertigung warten. Als PKW-Reisende hatten wir dagegen die Kontrollen binnen weniger Minuten passiert, ohne besondere Vorkommnisse. Noch vor Ort versorgten wir uns mit polnischen Sloty und einem gefüllten Tank, denn der Kraftstoff ist hier für deutsche Verhältnisse sehr preiswert. Die weitere Fahrt führte uns über Stargard, Bromberg/Bydgoszcz und Graudenz/Grudziads in die Plowenzer Ecke. Von der Grenze benötigten wir annähernd 7 Stunden für eine Strecke von rd. 400 km. Autobahnen gibt es nicht. Über Landstraßen, auf geschwungenen Pfaden, von Dorf zu Dorf, quer durch die Städte durchquerten wir das Land. Schier endlos reihen sich alte Kastanien-, Linden- und Eichenalleen aneinander. Der ländliche Raum machte auf uns einen recht unbesiedelten Eindruck: Brachländereien, durchsetzt von vereinzelten Tümpeln, gegliedert durch Baumreihen, Hecken und von prachtvollen Solitärgehölzen, eine sanft geschwungene, grüne Landschaft breitet sich beiderseits unserer Straße bis zum Horizont hin aus. Viehzäune kennt man nicht. Die Kühe werden einzeln angezäudert, d.h. mit einem langen Seil an Bäume gebunden.

Von Nowa Monty aus näherten wir uns dem Plowenzer See von Norden. Überrascht mußten wir aber feststellen, daß von dieser Seite kein einigermaßen befahrbarer Weg zum Dorf Gr. Plowenz/Plowez existiert. In Gr. Leistenau/Lisnowo lebte früher meine Urgroßmutter Selma Agnes Bomke, in Gr. Partenschin/Parteczyny mein Vorfahr Gottfried Schmidt. Wir durchquerten die beiden Dörfer, um über Sumin nach Kl. Rehwalde/Rywaldzik zu gelangen.

Inzwischen setzte heftiger Regen ein. Unsere Hoffnung, die Stoyke´sche Heimat in strahlendem Sonnenlicht vorzufinden und trockenen Fußes zu erkunden, schwand allmählich. Als wir aber die ersten Gehöfte des kleinen Gr. Plowenz erblickten, wurde der Regen weniger und später stellte sich sogar die Sonne ein.

Einige vernachlässigte Gebäude aus rotem Backstein umstehen den Platz vor der katholischen Kirche, den Dorfplatz. In einem der Häuser, das heute einen verlassenen Eindruck macht, war einmal die örtliche Kneipe und anschließend, noch vor einem Jahrzehnt, ein Lebensmittelgeschäft untergebracht.

Links an der südlichen Kirchhofmauer vorbei folgten wir dem schmalen Fahrweg, um bald nach Norden, in Richtung des Sees, abzubiegen. Es ist der Weg nach Mnich am See.

Hinter der nächsten Biegung erhebt sich links des Weges ein grau verputztes Gebäude, das Haus des Fischers, ehemals von einer Familie Klein bewohnt. Die heutigen Besitzer, Polen, sägten gerade Brennholz, als wir vor dem Grundstück hielten. Onkel Jochen ging den verwunderten Leuten sogleich entgegen, brachte seinen Besuch vor einigen Jahren in Erinnerung und erklärte unser Anliegen. Das Gespräch wurde in polnischer Sprache geführt und so stand der Rest unserer Familie etwas wortlos daneben.

Der alte Fischer, der die Kleins noch kannte, sei bereits vor fünf Jahren verstorben, hieß es. Man bot uns zum Parken einen Platz unterhalb des Hauses am Seeufer an.

Eilig trafen wir dort alle Vorbereitungen für den bevorstehenden Rundgang über das ehemalige Stoyke´sche Anwesen. Der Weg verläuft in einer leicht geschwungenen Bahn parallel zum Seeufer. Die südlich angrenzende Fläche schwingt sich steil bergauf bis zu einem Knick. Dieser Grund hat einst Karl Stoyke, "Onkel Karl", gehört.

In einem schmalen Einschnitt im Hang hauste bis zur Machtergreifung Hitlers ein Eremit. Der Rentner lebte in einfachsten Verhältnissen in dieser Höhle, zusammen mit seinen Kaninchen. Der nördlich an den Weg grenzende Acker, der bis an den See reicht, ist vom Fußgänger nicht einzusehen. Sein Niveau liegt bis zu zwei Meter über dem Weg, so daß dieser im weitesten Sinne tatsächlich den Charakter eines Hohlweges besitzt. Etwa hundert Meter vom Fischerhaus entfernt geht es wieder bergan, um eine Anhöhe an den Fundamenten des ehemaligen Insthauses zu überqueren.

Von dem Gebäude sind praktisch keine Reste mehr erhalten. Hohes Gras und Rohr überdeckt den Grundriß, um den herum das Land weiterhin bewirtschaftet wird. Früher wohnte hier ein Arbeiter für den Hof. Anbei ein Streifen Land, über den dieser zur eigenen Bewirtschaftung verfügte.

Als wir gespannt die Höhe dieses Platzes erreichten, öffnete sich ein erhabenes und zugleich ergreifendes Panorama auf das vor uns zum See abfallende Gelände, in dem sich einst das Gehöft mit den Stallungen, der Stoyke´sche Hof, erhob. Die Senke vor dem Hof hat sich infolge abgängiger Dränage mit Wasser gefüllt und zu einem malerischen kleinen Teich entwickelt, dessen Ufer mit Rohr und einzelnen Büschen bestanden sind.

Vier große Kraniche ästen auf der grünen Wiese neben dem einstigen Gehöft. Als sie uns wahrnahmen, erhoben sie sich lautlos, mit weiten Schwingen in die Höhe, kreisten noch einmal in der Luft und entschwanden dann unseren Blicken.

Ein dichter hoher Gürtel von Schwarzerlen und verschiedenem Gebüsch zieht sich als Hain um das Seeufer. Davor blüht alter Flieder violett. Die Luft ist erfüllt von seinem Duft und von dem Gesang einer Vielzahl einheimischer Vogelarten; darunter Nachtigall und Kuckuck.

Sogleich erreichten wir den Standort des ehemaligen Gehöftes und der Ställe. Eine alte, erst in jüngster Zeit vom Wind entwurzelte Weide zog unsere Aufmerksamkeit auf sich. Sie erhob sich einstmals vor der Zufahrt in den Innenhof des Gehöftes.

Ein Blumengarten habe sich an der Südseite der Stallungen entlanggezogen. Eine ganze Staude weißgelb blühender Narzissen markiert seine frühere Lage. Von ihm stammen auch die prächtigen Fliederbüsche, die nun so wunderbar blühen.

Zwar vermochten wir den einzigen zu Tage tretenden Fundamentstreifen nicht abschließend einem Gebäudeteil zuzuordnen, doch machten wir später, während eines weiteren Rundganges über das Gelände, den östlich des Wohnhauses gelegenen Erdkeller unter dichtem Laubwerk des Flieders ausfindig. Die Überwölbung des Kellers ist längst eingestürzt, aber die sorgfältig aus Findlingen gefügten Wandungen sind zum großen Teil noch erhalten. Hier wurden die Rüben kühl und dunkel gelagert.

Eine Fotografie von 1943 zeigt meine Mutter vor der Südseite des weißgestrichenen Wohnhauses. Es war mit Dachpappe gedeckt. Die alte Kastanie auf dem Bild existiert schon lange nicht mehr. Anbei soll eine Schwengelpumpe gestanden haben. Das Fahrrad gehörte Ursula Klein, der Tochter des Fischers.

Genauso wenig wiederzuerkennen ist die um 1944 entstandene Ansicht des in nordwestlicher Richtung zum See absteigenden Gartens. Ein von Dahlien gesäumter Fußpfad führte damals zum Wasser hinunter. Dort befand sich die Bade- und Tränkstelle.

Als Andenken entnahm ich eine Probe der "heiligen polnischen Erde" an der Stelle des Wohnhauses. Meine Mutter nahm Sprößlinge des Flieders an sich und pflückte ein paar Osterglocken.

Es herrscht eine friedvolle, heitere und anheimelnde Atmosphäre an diesem menschenfernen Ort. Der Eindruck ist überwältigend. Während wir noch die Stimmung aufnahmen, war Onkel Jochen bereits hinter Büschen und Gestrüpp verschwunden, um - mit Gummistiefeln ausgerüstet - den "ersten" und den "zweiten" Spring zu suchen. Es handelt sich um kleine Wasserläufe, die sich in den See ergießen. Während der "erste" Spring, den wir nicht genau lokalisieren konnten, einem artesischen Brunnen entspringt, wird der "zweite" durch den Ablauf zweier kleinerer Weiher gespeist. Das Wasser des ersteren wurde auch als Trinkwasser und zum Wäschewaschen benutzt. Meine Großmutter Käthe Stoyke verlor dabei ihren Ehering im Quell. Die zahlreichen Abdrücke von Rehfüssen zeugen heute von der Funktion des "zweiten" Springs als Tränke. Unter dem Laubdach der Erlen gluckst das Wasser munter zum See hin; ein erholsamer Ort.

Nächstes Ziel sollte nun die Alte Schanze, auch "Schwedenschanze" genannt, südwestlich des Gehöftes sein.

Während mein Onkel den direkten Weg über morastigen Ufergrund einschlug, wählten meine Eltern den sicheren Umweg entlang einer Schlaggrenze. Ich überwand den schmalen Wasserlauf des "zweiten" Springs an einer günstigen Stelle und erklomm einen Hochsitz, wobei ich ein Reh aufschreckte, das sich unmittelbar neben mir aufhielt.

Vom Ausguck aus überblickte ich das angrenzende Roggenfeld, aus dessen Fläche sich die Alte Schanze erhebt. Onkel Jochen hatte sie bereits auf halbem Wege erreicht, während meine Eltern hinter einer Hecke an den Wasserlöchern des "zweiten" Spring sichtbar wurden. Gemäß der vorliegenden Aufzeichnungen diente die Alte Schanze als "Verteidigungswall", also als Vor- bzw. Beobachtungsposten für die 1222 genannte Heidenburg, die sich wiederum an einer alten Fernstraße, nahe dem evangelischen Friedhof, befand. Die Alte Schanze bildet ein Sand- oder Erdhügel von etwa 18m Höhe (um 1909 ca. 27m über dem Wasserspiegel des Plowenzer Sees) und vielleicht 30m Durchmesser. Die Böschungen sind heute noch ziemlich steil. An seiner Südflanke wurde die Befestigung zusätzlich durch einen grabenartigen Einschnitt zum benachbarten Gelände gesichert. Am Fuße der östlichen Böschung tritt weißer Sand zu Tage. Hier haben Fuchs und Dachs ihren Bau angelegt. Von der Spitze des hoch über dem Feld aufragenden Tumulus überblickten wir einen großen Teil der ehemals zum Hof gehörigen Äcker. Sie wurden nach der Aufgabe des Stoyke´schen Anwesens 1947 dem benachbarten Gut Waldheim zugeschlagen.

Weißdorn, Brombeere und Kirsche gedeihen auf dem Erdbauwerk. Die ehemaligen "Tannen", von denen es Kunde gibt, trafen wir hier nicht an, sondern erst auf einer anderen Schanze im Dorfe Plowenz. Von einem Hochsitz aus schauten wir auch über das Buschwerk hinweg: Der Wasserspiegel des Plowenzer Sees breitet sich hinter dem Erlensaum aus. Von Osten her fließt die Ossa in den See, um ihn auf der gegenüberliegenden Seite wieder zu verlassen. Die vorgenannten Erlen am Ufer konnten sich von einer früheren Anpflanzung ausgehend verbreiten, die die Familie Stoyke zu Brennholzzwecken bewirtschaftete. Der Bewuchs folgt dem Lauf des "zweiten" Springs und verdeckt heute somit die Sicht auf die Anhöhe des Gehöftes.

Der vorgenannte Wasserlauf folgt der Geländetiefsten und gliedert die landwirtschaftlichen Flächen. Die beiden Weiher, die der Graben durchquert, schmiegen sich malerisch in das geschwungene Gelände. Auch ihre Ufer sind von Reet bestanden. Onkel Jochen entdeckte zwei Eisenten auf der Wasseroberfläche.

Er berichtete von seinem Erlebnis am 1. September 1939, dem Tag des Kriegsbeginns, als er auf seinem Weg über das uns zu Füßen liegende Feld plötzlich eine nicht enden wollende Kette von Menschen auf den Hof zukommen sah. Es waren deutsche Soldaten, die in den ersten Tagen der Besetzung Polens zunächst Westpreußen einnahmen.

Die Sonne goß ihr wohltuend warmes Licht über diese Landschaft aus. Uns stand von der Wanderung zur Schanze und auf ihre Spitze der Schweiß auf der Stirn. Nun endlich hatten wir Muße, uns dem 61. Geburtstag meines Vaters zu widmen. Mit eigens mitgeführtem Sekt stießen wir an diesem würdevollen Ort auf das Ereignis an. Nicht zuletzt war uns bewußt, daß gut ein halbes Jahrhundert seit der Flucht der beiden Familien Schmidt und Stoyke vergangen ist.

Gerne hätten wir länger an diesem Ort verweilt, aber es galt noch weitere Bereiche des Grundstücks in Augenschein zu nehmen. 120 Morgen umfaßte der Besitz damals. Das war eigentlich nicht besonders viel, zumal der Boden nur mäßig ertragreich ist und wegen der Hanglagen schlecht zu bearbeiten war. Es ist die aber einzigartige Lage, die das Anwesen vor anderen auszeichnet.

Eine alte Fotografie, welche die Gebäude von der Grenze des südwestlich ansteigenden Geländes aus zeigt, vermittelt uns eine Vorstellung davon. Es ist der schönste Aussichtspunkt, so stellten wir übereinstimmend fest.

Fast das ganze Grundstück, das unter der Bezeichnung "Mnich am See" ein Begriff war, ist von dieser Perspektive aus einsehbar: in einiger Entfernung der mächtige Tumulus der Alten Schanze, die kleinen Weiher, der Plowenzer See mit den gegenüberliegenden Uferpartien, Erlenstände, blühender Flieder auf dem früheren Hausgelände, daneben der vom Quaken der Frösche erfüllte kleine Weiher und der Zufahrtsweg, der hinter der Anhöhe des Insthauses unseren Blicken entschwindet. Alles fügt sich zu einem naturgeformten Gemälde.

Der Stoyke´sche Hof in Mnich am See um 1940 Das Grundstück des ehemaligen Stoyke´sche Hofes in Mnich am See 1996

Fotos: Mnich am See in Gr. Plowenz, Kreis Strasburg 1940 und die selbe Perspektive 1996
Panorama über den Plowenzer See zum Leistenauer Wald. Über den Fundamenten des Hofes der Familie Stoyke breiten sich heute Buschwerk und Bodendecker aus. Eine große Weide, welche noch 1991 die ehemalige Hofzufahrt markierte, ist inzwischen umgebrochen.

Noch einmal stöberten wir auf dem Hof zwischen Fundamenten und Büschen umher. Dann trieben uns einige Regentropfen zum Rückweg. Dabei berichtete Onkel Jochen, wie er meinem Großvater die Kaninchen aus dem Uferdickicht zutrieb, während dieser mit einer Flinte auf der Lauer lag.

Ein letzter andächtiger Blick, begleitet von gemischten Gefühlen, auf das hinter uns liegende Grundstück, dann wanderten wir wieder zum Wagen zurück. Besonders meiner Mutter fiel der Abschied von diesem paradiesischen Fleckchen Erde, der "alten Heimat" recht schwer.

Onkel Jochen versah die Bewohner des Fischerhauses mit Kaffeepulver und Schokolade. Dann setzten wir unsere Erkundung Plowenz´ fort: Vom dem früheren Pfarrhof ist kaum ein Stein geblieben. Die polnischen Gräber auf dem Kirchhof machen einen gepflegten Eindruck. Sie sind zumeist in Stein gefaßt und von Kreuzen geschmückt. Am Elternhaus des Knechtes Jacho vorbei gelangten wir zur erwähnten zweiten Schanze. Sie ist in Form eines ovalen Hügels von nicht geringerer Höhe als ihre kleine Schwester ausgebildet. Das östliche Ende liegt gegenüber dem Hügelplateau einige Meter tiefer und ist wie dieses abgeflacht. Hier befinden sich die Reste des evangelischen Friedhofs. Nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde er eingeebnet, die Grabsteine zerschlagen. Auch hier blüht Flieder. Die Großeltern Stoyke meiner Mutter, Karl und Bertha (geb. Schmidt aus Neubrück) sind hier begraben. Im Schatten der Bäume und Sträucher entdeckten wir noch zahlreiche Fragmente von Grabsteinen und -einfassungen.

Südlich des Ortskerns stand früher das Schulhaus. Heute erhebt sich an seiner statt ein größeres, modernes Schulgebäude.

Gerne hätte Mutter noch das ehemalige Gut der Familie Geddert mit vornehmer Haus- und Gartenanlage besucht. Zu fortgeschrittener Zeit aber schloß ein Arbeiter, sozusagen vor unserer Nase, die alten schmiedeeisernen Tore. Auf der Weiterfahrt nach Adelig Neudorf/Nova-Wies gibt es beidseitig der Straße noch verschiedene rote Backsteingebäude. Mein Onkel erinnert sich fast aller ehemaliger Bewohner. Eines der Häuser wird derzeit abgerissen, vielleicht in Folge eines Brandschadens. Es war das Haus der Familie Sommerfeld, heute in Schifferstadt wohnhaft.


Der Weg in die ehemalige Kreisstadt Briesen/Wabrzezno führt durch die anmutige Hügellandschaft Kulms. An den Wegkreuzungen sahen wir noch vereinzelte Boza matka. So nennt man die Marienstatuen und Wegkreuze.

Briesen empfing uns freundlich, etwas provinziell, mit klarer Abendsonne. Nach nur kurzer Suche gelangten wir zum Sporthotel "Unia", dem einzigen Hotel in der Stadt. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Art Vereinsheim mit Mannschaftsunterbringung im Stile einer Jugendherberge von etwas heruntergekommener Ausstattung. Schnell waren die Konditionen vereinbart, der diebstahlgefährdete Wagen auf dem Hinterhof zum Stadion untergestellt. Während sich meine Familie auf dem Zimmer stärkte und einen guten Tropfen Müller-Thurgau zu sich nahm, holte Onkel Jochen im Nebenzimmer das versäumte Mittagsnickerchen nach. Der Tag war noch zu jung, um sich schon schlafen zu legen. So machten wir vier uns später auf einen Stadtrundgang.

Die Stadt Briesen liegt am Durchgang zweier Seen und wurde bereits im 13. Jahrhundert befestigt. Wir spazierten zum Ufer des stillen Schloßsees hinunter. Der mächtige Hügel, auf dem sich das bischöfliche Schloß befand, ist zur Parkanlage umgestaltet. An seinem Fuße wanderten wir entlang, um dann durch die Stadt, über den Rathausplatz, wieder zu unserem Quartier zurückzukehren.

Die stolzen Bürgerhäuser wirken etwas trist: vielen fehlt es an Farbe, an einigen bröckelt der Putz. Die Aufmachung der Schaufenster erinnert an DDR-Zeiten. In der Auslage werden aber bereits alle westlichen Artikel angeboten.

In der "Bar" unserer Herberge scheiterte der Versuch, einen Wodka zu bestellen. Wir waren sichtlich erstaunt, aber offensichtlich ist das polnische Nationalgetränk nur in ausgewählten Lokalitäten erhältlich. Stattdessen erfreuten wir uns an einem frisch gezapften und würzigen Bier. Schließlich ist Briesen schon seit frühester Zeit für seine Braukunst bekannt!


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