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Zur Herkunft und Verbreitung des Namens Stoyke

(Stoyke, Stoike und andere Schreibweise)


Veranlassung

Schenkt man der mündlichen Überlieferung Glauben, so werden bereits seit Generationen Überlegungen angestellt, woher sich der Name Stoyke ableitet. Dahinter steht die Frage, ob die heute über den gesamten Globus verstreuten Namensträger ihre Herkunft auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführen können. Wenn dem so wäre, wo auf dem Erdball ist die "Keimzelle" der Familie dann zu suchen?
Aus Anlass der Familientreffen in den Jahren 1969 und 1983 wurden die bis dahin gesammelten Erkenntnisse und Thesen erstmals zusammengefasst und eingehend erörtert. Bernd STOYKE, einer der Hauptorganisatoren, hat die verschiedenen Gesichtspunkte in einem Vortrag anlässlich des 2. Familientages STOYKE in Bielefeld 1983 dargelegt. Der von ihm verfasste Bericht soll auf diesem Wege auch Interessierten, die damals nicht an der Veranstaltung teilgenommen haben, zugänglich gemacht werden.
Mit der nachfolgenden Erörterung des Themas ist beabsichtigt, zwischenzeitlich erlangte ergänzende Erkenntnisse bzw. Überlegungen zu dem vorgenannten Bericht darzustellen und so vielleicht auch Hinweise für die zukünftige Forschungsarbeit zu geben. Dabei werden die von Bernd STOYKE getätigten Aussagen hier nur insoweit wiedergegeben, als Sie einer übersichtlichen Strukturierung des Themas dienen oder Gegenstand eigener Überlegungen sind. Die vollständigen Informationen betreffend sei hier auf den Originalwortlaut des oben genannten Vortrags von Bernd STOYKE verwiesen.

Ergänzende Erkenntnisse sollen zukünftig an dieser Stelle dargestellt werden. Weiterführende Informationen seitens interessierter Leser sind ausdrücklich erwünscht!

Jeweils eine Rückschau auf das Familientreffen 1969 von Elisabeth SOMMERFELD und auf das Familientreffen 1983 von Bärbel STOYKE erschienen noch im jeweiligen Jahr in "Der Westpreusse".


1. Schreibweisen

Vorkommende Namensvariationen sind neben den oben genannten: Stoick(e), Steuke, Stojke, Stojka, ferner Steig, Steuck, Steugke, Steuk, Steuker, Steukert, Steyke, Stöck, Stoica, Stoickes, Stoika, Stoiker, Stoikin, Stoiko, Stoikof(f), Stoikonsky, Stoikov, Stoikovic, Stoikowitsch, Stoikowski, Stoikowsky, Stojka, Stojke, Stojkie, Stojko, Stojek, Stork, Stoyck, Stoycke, Stoyka, Stoyken, Stoyker, Stoykes, Stoykevich, Stoykowski, Stoyte, Stoytow, Stoycke, Stuike, Stujke, Styka.

Gründe für unterschiedliche Schreibweisen

Die Schreibweise des Namens STOYKE hat sich bis in das 20. Jahrhundert hinein immer wieder gewandelt. Sie wechselte sogar innerhalb einer Generation bzw. von einer Generation zur nächsten. Ursache hierfür können Hör-, Sprech-, Lese- und/oder Schreibfehler, aber auch politische Einflüsse sein. Ebenso barg das früher übliche handschriftliche Kopieren von Urkunden die Gefahr von Übertragungsfehlern. Im einzelnen sind als mögliche Gründe für die abweichenden Schreibweisen folgende zu nennen:

a) Schreibunkundigkeit der Namensträger und daraus resultierende Schreibfehler

b) "Übersetzungsfehler" bei der Übertragung aus dem gesprochenen Wort in das Dokument; häufig sind in Westpreußen polnisierte Schreibweisen zu finden. So berichtete Ewald Kurt STOYKE (vormals Groß Plowenz, Krs. Strasburg), dass die Polen ihn in seiner Heimat "STEIKE" nannten. Ebenso änderte sich die Schreibweise in einigen Fällen bei der Auswanderung von Namensträgern in die USA. Zum Beispiel wurde aus einem Johann STOIKE, der 1854 aus Polen in die USA emigrierte, ein John STOIKES, dessen Nachname im weiteren Verlauf auch STOIK und STYKES geschrieben wurde. Weitere Beispiele sind bekannt.

c) in mindestens einem Fall ist überliefert, dass ein STOYKE aus einer kinderreichen Familie seinen Namen später bewusst mit "i" (STOIKE) geschrieben haben soll, um sich auf diese Weise von seinen zahlreichen Geschwistern abzuheben. In einem anderen Fall schreibt sich eine heute noch in Polen lebende Linie mit STOYKE-Vorfahren "STOJKE".
Die Schreibweise "STOJKE" tauchte bis zu diesem Zeitpunkt vorwiegend im Zusammenhang mit dem ungarisch-rumänisch-bulgarischen Siedlungsraum auf.

Bei der Recherche historischer Dokumente aus dem 18. Jahrhundert fällt auf, dass der Name häufig mit zwei Pünktchen über dem "y" geschrieben wurde: Stoÿke. Dieser Umstand mag für die unterschiedlichen Schreibweisen mit "i", "y" und "j" alle Möglichkeiten offen gehalten haben. Er kann aber auch ein Indiz dafür sein, dass sich die Variante STOYKE mit "y" aus früheren Schreibweisen mit "i" bzw. "j" hergeleitet hat.

Der Buchstabe "ÿ" mit zwei Punkten oder Strichen, sowie die Buchstabenkombination "ij" waren im 17. Jahrhundert im Gebiet der Niederlande und den angrenzenden Regionen verbreitet. Auf unsere "STOYKE" bezogen, würde das bedeuten, dass der Name STOYKE theoretisch ursprünglich auch STOIJKE geschrieben worden sein könnte. Berücksichtigt man zudem, dass es im Niederländischen eine Lautumbildung von "ij" nach "oey" gibt, so käme auch die Schreibweise STOEYKE als Ursprung in Betracht. Diese Überlegungen sind allerdings rein hypothetisch und in keiner Weise belegt, denn auch in anderen Gebieten Europas, so z.B. in Pommern, Ostpreußen und der Tschechei, wurde der Buchstabe "ÿ" geschrieben. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch, dass der russische Buchstabe "jerej" manchmal mit "ij" übersetzt wurde.

Folgt man dem Deutschen Namenslexikon von Hans BAHLOW, so leitet sich der Name STOYKE von STOY, STOJAN oder auch STEUßLOFF (Gotscalcus Stoye 1287 Rostock) ab oder steht mit diesen in Beziehung.

STEUßLOFF und STOISLOFF kommt im Mittelalter öfter in Mecklenburg vor (dominus STOYSLEF 1325 Stralsund, Ghoeten STOYSLAF 1350 Rostock)

Als "markanter wendischer Personenname ist STOISLAV bekannt. Die Silbe "stoj" könnte dabei als "standhaft" gedeutet werden, im Slawischen steht sie für "Ruhm".

In diesem Zusammenhang wird auch auf den slawischen Personennamen TROJA(H)N verwiesen. Die Endung –an findet sich ebenso bei STOJAN, WOJAN (Troyan Engelbrecht 1404 Leitomischl. Der Dichter Johann Trojan war Danziger)".

Gemäß Professor Edward BREZA, Sprachwissenschaftler an der Universität Danzig, hat der Name seinen Ursprung in dem polnischen Verb "stác" (stehen). Nach seiner Auffassung ist er aus dem Indoeuropäischen entstanden und vergleichbar mit dem lateinischen "stare", dem deutschen "stehen" und dem englischen "stay". Demnach ist das Wort "Stojka" von "stac" abgeleitet. Der Familienname STOJKA sei aus einer Berufsbezeichnung entstanden: "Damals ein Mensch, der von einem Ortsvorsteher zu unentgeltlicher Arbeit verpflichtet wurde". Laut BREZA handelte es sich hierbei am häufigsten um einen "Nachtwächter".

Der Name STOJEK wurde aber auch als Vorname verwendet. Dieser Name stammt laut BREZA aus Altpolen oder Altpommern, ursprünglich "stoji", irgendwann stoj-: STOIJGNIEW, STOJMIR, STOISLAW oder -stoj als Endung: Danastoj, Niestoy, Twardostoj. Insoweit decken sich BREZAs Aussagen mit der These, das der Stamm STOYKE seine Wurzeln in Pommern habe.

Laut BREZA wurde der Name STOJEK eingedeutscht und –ek zu –ke, wie z.B. Radek zu Radtke, Gawek oder Gawel zu Gaffke, Lysek zu Lieske, Milek zu Mielke, Bieszek oder Benedykt zu Bieszke geworden seien.

Ebenso sei STOJKA eingedeutscht worden: die polnische Endung -a wurde zu –e.

Die Namensvariante STOJKO leitet sich laut BREZA vom Vornamen STOJSLAW im früheren polnischen Osten ab.

In diesem Zusammenhang erwähnt BREZA, dass der Verfasser der ersten polnischen Grammatik aus Frankreich stammt. Es war ein Schüler von Jana Kalwina. Der Verfasser war in Polen unter dem Namen Statorius, auf polnisch STOJENSKI, bekannt. Der Hauptteil dieses Namens leite sich von "stác" (stehen) und dem lateinischen "stator" und –oris ab, ein "Sklave der die Post erledigt" mit –ius als Endung.


2. Verbreitung des Namens

2.1 Deutschland

Der Nachname STOYKE bzw. STOIKE und andere Schreibweisen ist in Deutschland relativ selten. Im deutschen Telefonverzeichnis (1999) ist er 256 mal aufgeführt, davon lauten 168 Nennungen auf STOYKE und 88 Nennungen STOIKE.

Das folgende Diagramm veranschaulicht die Verteilung verschiedener Schreibweisen am gesamten Namensvorkommen im heutigen Deutschland:

Verteilung einzelner Schreibweisen an gesamten Namensvorkommen in Deutschland

Die Darstellung der Telefonteilnehmer in einer Karte Deutschlands in seinen Grenzen von 2004 zeigt die heutigen Siedlungsschwerpunkte von Personen mit Namen STOYKE und STOIKE nach absoluten Zahlen auf:

Verbreitung des Namens Stoyke in Deutschland - zum Vergrößern klicken (200 KB)

In Deutschland ist dies neben der Hauptstadt Berlin auch der Großraum Düsseldorf im Ruhrgebiet. Dabei sind beide Schreibweisen vertreten, wobei die Schreibweise STOYKE insgesamt leicht überwiegt. Eine überdurchschnittliche Konzentration ausschließlich der Schreibweise STOYKE ist im Großraum Oldenburg bzw. in Ostfriesland zu bemerken. Die Schreibweise STOIKE weist dagegen punktuelle Zentren entlang einer Nord-Süd-Achse von Hamburg bis Regensburg auf: Region Wittenberge - Region Magdeburg - Gera. Insgesamt scheint die Variante STOIKE in der Osthälfte des Landes stärker vertreten zu sein, während die Variante STOYKE eher in der nordwestlichen Bundesrepublik dominiert.

Die sich uns heute darstellende Verbreitung der Namen ist nicht zuletzt eine Folge der Migrationbewegung infolge des 2. Weltkriegs, als die meisten Familien aus den bis dahin deutschen Ostgebieten nach Deutschland umsiedeln mussten. Daher dürfte die Aussagekraft der grafischen Darstellung zur Verbreitung in Deutschland für die Klärung der Herkunft des Namens nur eine untergeordnete Rolle spielen.


2.2 Polen

Professor BREZA hat sich 2002 in seiner Abhandlung zum Thema "Nachnamen in Pommern" mit der Verbreitung und Herkunft der Namen STOJKE, STOJKA, STOJEK und STOIKO auseinandergesetzt. Da eine gemeinsame Herkunft eines Teils dieser von Herrn BREZA behandelten Namen und anderer lebender STOYKE bzw. STOIKE anzunehmen ist und in einigen Fällen eine Polonisierung der Schreibweisen STOYKE und STOIKE nach dem 2. Weltkrieg denkbar und auch nachweisbar ist seien seine Erkenntnisse hier ebenfalls widergegeben:

Danach machen die Namensträger STOJEK im polnischen Namensregister mit 1.740 Personen mit Namen STOJEK den größten Teil aus.

Sie verteilen sich wie folgt auf die pommerschen Wojewodschaften: 21 in Graudenz, 44 in Elbing, 44 in Danzig, 62 in Stolp. Außerhalb von Pommern zählt BREZA folgende Personen: 433 in der Wojewodschaft Kieleckie [Kielce, Polen], 271 in Kattowitz (ehem. Oberschlesien), 219 in Krakau (ehem. Schlesien), 59 in Tschenstochau [czẹstochowskie, Polen], 50 in Lublin (ehem. Russisch Polen), 59 in Tarnow [tarnowskie, Polen], 46 in Bielitz (ehem. Niederschlesien).

Der Nachname STOJKE taucht in den polnischen Namenregistern 58 mal auf: 21 in der Wojewodschaft Graudenz, 17 in Wlozlawek [Wloclawskie, Polen; südlich Thorn], 6 in Stettin.

Ein STOJKIE ist in der Wojewodschaft Ostenburg [ehem. Ostpreußen; woj. ostrolẹckie] eingetragen.

STOJKA wird 50 mal genannt, ausschließlich außerhalb Pommerns: 16 in der Wojewodschaft Kattowitz (ehem. Niederschlesien), 9 in Bielitz (ehem. Niederschlesien), 8 in Oppeln (ehem. Oberschlesien), 5 in Breslau (ehem. Schlesien), 4 in Liegnitz (ehem. Oberschlesien).

An STOJKO sind 199 Personen verzeichnet: 3 in der Wojewodschaft Graudenz, 1 in Danzig, 43 in Zamojskie [Zamosc, ehem. Russisch Polen], 24 in Breslau (ehem. Schlesien), 21 in Kattowitz (ehem. Niederschlesien), 21 in Liegnitz (ehem. Oberschlesien).

Das nachstehende Diagramm veranschaulicht die Verteilung der von Prof. BREZA untersuchten Namen im heutigen Polen:

Verteilung einzelner Schreibweisen an gesamten Namensvorkommen in Polen

Die folgende Grafik gibt die von Prof. BREZA genannte Verbreitung der Namen STOJEK, STOJKE und STOJKA etc. im heutigen Polen wider.

Verbreitung des Namens STOJEK, STOJKE und STOJKA in Polen - zum Vergrößern klicken (190 KB)

Die mit Abstand am häufigsten vertretene Schreibweise STOJEK hat ihren Schwerpunkt in den südlichen Wojewodschaften Polens. Eine zweite – wenn auch nicht so stark ausgeprägte Konzentration - befindet sich an der Ostseeküste in den Wojewodschaften Stolp und Danzig.

Die weniger häufig auftauchenden Schreibweisen STOJKO und STOJKA beschränken sich im wesentlichen auf die südlichen Grenzregionen Polens, insbesondere auf das ehemalige Schlesien. Die der deutschen Schreibweise STOIKE am nächsten kommende Variation STOJKE konzentriert sich dagegen auf Gebiete des ehemaligen Westpreußen: Elbing und Graudenz, gefolgt von der südlich an die vormalige Provinz Westpreußen grenzende Wojewodschaft Włocławek. Ansonsten ist der Name nur noch in dieser Form und in vergleichsweise geringer Anzahl im Raum Stettin zu finden. Da sich die im Rahmen der Familienforschung bisher bekannten STOYKE / STOIKE-Namensvertreter nachweislich seit dem 18. Jahrhundert schwerpunktmäßig im Großraum Strasburg-Graudenz konzentriert haben, liegt die Vermutung nahe, dass zumindest die genannten STOJKE-Namensträger demselben Geschlecht entstammen wie die in der Folge des 2. Weltkriegs geflüchteten – heute in Deutschland lebenden – Familien.


2.3 USA

In den USA leben ebenfalls Nachfahren von Stoyke-Auswanderern aus den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten im Osten. Wie auch in Polen änderte sich die Schreibweise möglicherweise mit der Auswanderung in die neue Heimat. Überwiegend ist die Schreibweise STOICK in den USA anzutreffen. Der Nachweis einer Verwandtschaft von Trägern dieses Namens sowie der anderer Schreibweisen zu der Kaminer Linie STOYKE aus dem Kreis Strasburg in Westpreußen konnte bislang noch nicht erbracht werden.

Die Auswertung eines nordamerikanischen Telefonverzeichnisses (worldpages.com) in 2004 verdeutlicht die Verteilung der Namensträger in den USA:

Verteilung verschiedener Schreibweisen an gesamten Namensvorkommen in den USA

Der Nachname STOICK (35%) ist demnach am häufigsten vertreten, gefolgt von STOIKES (18%) und STOIKE (14%). Die Variante STOYKE folgt mit 9% Anteil an den untersuchten Namen erst an fünfter Stelle.

Betrachtet man die geographische Verbreitung der oben genannten Namen, so fällt auf, dass es Siedlungsschwerpunkte gibt, die sich zum Teil deutlich voneinander abgrenzen lassen: Personen mit dem Namen STOICK verteilen sich entlang einer gedachten Ost-West-Achse von Michigan an den Großen Seen bis nach Montana. STOIKES und STOIK findet man überwiegend im Staate Wisconsin, einem Zentrum des Ackerbaus und der Viehwirtschaft. Ebenfalls in dieser fruchtbaren Region, mit Schwerpunkt in Michigan und entlang einer Ost-West-Achse über Indiana, Illinois und Missouri bis nach Kansas, ist der Name STOIKE vertreten. Klar davon abzugrenzen ist der Siedlungsraum der STOYKE. Sie konzentrieren sich auf Minnesota mit den angrenzenden Staaten Wisconsin und Iowa und sind in geringem Umfang auch im Staat Indiana vertreten. Allen gemeinsam ist, dass sie in Gebieten zu Hause sind, die vorwiegend von Milchwirtschaft und Getreideanbau geprägt sind. Man bedenke in diesem Zusammenhang, dass Familien STOYKE und STOIKE in ihrer Heimat Westpreußen überwiegend als Bauern tätig waren. Im Gegensatz dazu ist zu bemerken, dass der Name STOJKE heute fast ausschließlich an der nördlich Ostküste der USA von Connecticut bis Maryland vorkommt.

Nach Auswertung der vorliegenden Daten ergibt sich nachstehende grafische Darstellung der Verbreitung:

I.
Telefonteilnehmer in den USA 2004 (Absolute Anzahl).
Darstellung der Verbreitung nach den tatsächlichen Anschlüssen.

II.
Telefonteilnehmer in den USA in 2004 (Relative Anzahl)
Die Anzahl der Anschlüsse ist im Verhältnis zur Anzahl der Gesamteinwohnern eines jeweiligen Bundesstaates dargestellt. Durch diese Gewichtung ergibt sich ein authentischerer Eindruck der Verbreitung.

Verbreitung des Namens STOICK, STOIKES, STOIKE, STOYKE und anderer in den USA (absolut) - zum Vergrößern klicken (210 KB)

Verbreitung des Namens STOICK, STOIKES, STOIKE, STOYKE und anderer in den USA (relativ zur Einwohnerzahl der Bundesstaaten) - zum Vergrößern klicken (210 KB)


3. Früheste Namenträger

3.1 Deutschland und ehemalige deutsche Siedlungsgebiete im Osten

Die älteste bisher bekannte Namensträgerin überhaupt ist eine gewisse Gese STOYKE (Schreibweise auch STUICK, die 1465 als Witwe des bischöflich-münsteranischen Mühlenherrs Rötger tor Mollen in Warendorf, heute eine Kreisstadt im Regierungsbezirk Münster in Nordrhein-Westfalen, genannt wird. [vgl. ZUHORN, Karl]

In Pommern ist der Name STOYKE (STEYKE) seit 1520 aktenkundig, wobei auffällt, dass mehrere Namensträger in der Zunft der Gewandschneider genannt werden.

In Westpreußen taucht der Name erstmals mit einem Joachim STOYKE, 1586 als Ratsherr zu Putzig genannt, auf. Eine Verbindung zu dem vermeintlichen Spitzenahnen der Kaminer STOYKE-Linie, Georg STOYCKE, *um 1655 in Thiergarth, Kreis Rosenberg, Westpreußen, konnte bislang nicht in der gebotenen Form nachgewiesen werden.

Ältester nachweislicher Vorfahr des Stammes STOYKE in Kamin, Kreis Strasburg in Westpreußen ist George STOIKE, geboren vermutlich um 1721 in Thiergarth, Kreis Rosenberg, Westpreußen, †23.02.1784 in Kamin. Im Kontributionskataster (Steuerkataster; Nr. 3202, Abt. 181 13112, Nr. 19 - Kamien, Amt Strasburg) von 1772/73 wird er als Bauer in Kamin genannt. Sein Name ist dort unter Ziffer 5 mit "Georg STEIG" angegeben. An anderer Stelle wird dieser Georg auch "STOICKE" (1784) und "SZTEYKOW" (1867) geschrieben. Unter der Ziffer 1 des zitierten Auszugs aus dem Kontributionskataster ist ein "Bauer Andr[eas] STEIG" aufgeführt, der bislang noch nicht den bekannten Linien zugeordnet werden konnte. Vermutlich wird es sich bei George und Andreas um Brüder handeln.

Prof. BREZA benennt weitere frühe Namensträger im heute polnischen Raum: "Aus den historischen Dokumenten Pommerns ist der Name in der deutschen Form "STOI(C)KE" und in der anderen Variante "STOJKOWSKI" überliefert.

1560 gibt es einen Christe STOIKE in Niezabyszewie bei Stolp [Damsdorf, Kreis Bütow, Pommern (poln. Niezabyszewo, pow. Bytów)]. In einem Buch des Ortes Choinic [Hainwald/ Choiniec, Kreis Goldberg, Schlesien] gibt es einen Eintrag von 1637: Hans STOICKE, Leinweber aus der Stadt Ratzbur in Pommern. Bei der hier genannten Stadt Ratzbur handelt es sich um eine Kleinstadt namens Okonek, früher Ratzebuhr [Kreis Neustettin, Hinterpommern]. Der heutige Stadtname Racibórz [Ratibor, Oberschlesien] leitet sich vom Vornamen Racibor ab.

1772 findet sich im Kirchenbuch von Sartawice bei Świec [Seibersdorf/Sartawski, Kreis Rybnik, Schlesien] ein Michael STOJKOWSKI."


3.2 England

Ab der zweiten Hälfte 16. Jahrhunderts sind in England einige wenige Familien mit Namen STOIKES und STOYKE nachweisbar. Bei den frühesten bekannten Namensträgern handelt es sich um Johanes STOIKES, geboren 1563 in North Coates, Lincolnshire und um Thomas STOYKE, * um 1563 in Aston Abbots, Buckinghamshire, England


3.3 USA

Nach Auswertung des mir in 2004 vorliegenden Datenbestandes taucht der Name STOIKES erstmals 1642 in den Vereinigten Staaten von Amerika auf. Im Isle Of Wight County, in Virginia an der Ostküste des Kontinents ist in diesem Jahr die Geburt eines Robert Stoikes, der später eine gewisse Jane Braswell heiratet, verzeichnet. Der Name taucht über zwei Jahrhunderte lang noch bis 1869 in dem genannten County (Kreis) auf. Weitere Einwanderungen von Namensträgern STOYKE / STOIKE (und andere Schreibweisen) setzten offenbar erst ab 1850 ein.
Nach Datum der frühestens Erwähnung in den USA sortiert und nach Schreibweisen unterschieden ergibt sich folgendes Bild:

Schreibweise

Jahr der frühesten Erwähnung

Ort / Region in den USA

Herkunft

Stoikes

1642

Isle Of Wight County, Virginia

?

Stoik

1854
1860

Buffalo County (Bundesstaat?)
Manitowac County, Wisconsin

Posen
?

Stoyke

1875

Tioga County, Pennsylvania

Preußen

Stoick

1888

La Qui Parle County, Minnesota

?

Steuck

1891

Marshall County, Kansas

Pentin, Kr. Greifswald, Preußen

Stoike

1901

Illinois

?

Stojke

1923

Minnesota

?


Es ist festzustellen, dass sich die heute in den USA lebenden Namensträger STOYKE/STOIKE (u.a. Schreibweisen) nicht auf einen einzigen eingewanderten Vorfahren zurückführen lassen. Vielmehr hat es zu verschiedenen Zeiten Einwanderungen in die Neue Welt gegeben. In den meisten Fällen dürfte wirtschaftliche Not das Motiv für die Auswanderung gewesen sein. In den Einwanderungspapieren ist der Herkunftsort der Einwanderer häufig nur mit "Preußen" angegeben. Im einzelnen sind aber auch folgende Orte bekannt:

Ortsangabe zur Herkunft

Datum der Emigration

Schreibweise(n)

"Posen"

1854

Stoik

Flötenstein, Kreis Elbing, Westpreußen

1854

Stoick/Stoeck

Eisenhammer, Kreis Schlochau, Westpreußen

nach 1857

Stoick

"Russland"

1868

Stoik

"Ostpreußen"

1883

Stoyke

Pagdanzig, Kreis Putzig, Westpreußen

1860, 1864, 1882

Stoick/Stoeck/Stöck

Bohnsack, Kreis Danziger Niederung, Westpreußen

1884

Stoyke

"Polen"

1892

Stoike

Wloclawek, Polen

1899

Stoike/Stojke

Erst nach 1900 sind auch Auswanderungen aus anderen Regionen Deutschlands (Bremerhaven, Dortmund) belegt.
Die Aufzählung der Herkunftsorte lässt den Schluss zu, dass die Mehrzahl der Auswanderer ihre Wurzeln in den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten des heutigen Polen hat.

Die grafische Auswertung der vorliegenden Daten zu den in früherer Zeit in den USA siedelnden Familien verschiedener Schreibweisen offenbart, dass die heute anzutreffenden unterschiedlichen Siedlungsschwerpunkte in vielen Fällen identisch mit dem Siedlungsplatz des frühesten bekannten Einwanderers mit dem jeweiligen Namen ist. Eine "Streuung" von diesen ersten Siedlungsräumen aus über andere Staaten des nordamerikanischen Kontinents setzt erst ab etwa 1950 ein.

Karten zur historische Verbreitung der Namen in den USA

Hier können Sie eine sechs Karten umfassende Zusammenstellung der grafischen Auswertung aufrufen (380 KB). Wahlweise stehen die Karten auch als animierte Grafik zur Verfügung, die auf anschauliche Weise einen Eindruck über die Verbreitung vermitteln soll (340 KB). Die Frage, ob die hier eingeflossenen Daten von "nur" 225 Personen repräsentativen Charakter haben, wird durch die Tatsache bestätigt, dass sich deutliche Parallelen zur gegenwärtigen Verbreitung der untersuchten Namen zeigen und die Anzahl der bekannten heute in den USA lebenden Namensträger die Vermutung zulässt, dass die vorliegenden Daten historischer Personen bereits einen Großteil der tatsächlichen Namensträger erfassen.


4. Thesen zur Herkunft der Linie Stoyke aus Kamin, Kreis Strasburg in Westpreußen

4.1 Österreich (Salzburg)

Über die Herkunft der STOYKE aus dem Kreis Strasburg bzw. aus Thiergarth, Kreis Rosenberg wurde viel spekuliert.

Zunächst wurde vermutet, dass die evangelische Familie mit den aus Salzburg ausgewiesenen Emigranten 1731/32 nach Westpreußen eingewandert sein könnte. Diese Annahme geht auf ein Grabmal in Leistenau mit der Aufschrift "George STOYKE, gestorben 1732 aus Salzburg" zurück. Inzwischen herrscht weitgehender Konsenz darüber, dass sich die Grabinschrift in diesem Fall vermutlich auf die Herkunft der Familie der Ehefrau, deren Name bislang nicht bekannt ist, bezieht. Dennoch hielt sich das Gerücht hartnäckig und wurde bis in die heutige Zeit von Generation zu Generation weitergegeben.

In den Listen der Auswanderer aus Salzburg ist der Name STOYKE bzw. STOIKE nicht aufgeführt. Auch die bekannten Namensvariationen tauchen dort nicht auf. Die am ähnlichsten lautende Namen im Index der Salzburger Exulanten sind STOCK und STEIGER, wobei dort für den Namen STEIGER zahlreiche Namensvarianten aufgeführt sind: STEGER, STEEGER, STÄGER, STÖGER, STECKNER, STIGER. Wie bereits erwähnt, ist der Ahnherr George STOIKE im westpreußischen Kontributionskataster 1772/73 als "STEIG" gelistet. Ausgeführt wurde ebenfalls bereits, dass Ewald Kurt STOYKE noch um 1940 von den polnischen Einwohnern STEIKE genannt wurde. Beide Namenvarianten stehen sich bezüglich der Lautbildung sehr nahe. Ob hier ein Zusammenhang zu den von Hermann GOLLUB genannten Auswanderern besteht ist derzeit fraglich und kann nur im Rahmen zukünftiger Forschungen geklärt werden.

Eine Überprüfung des heutigen österreichischen Telefonverzeichnisses (2004) führt zu dem Ergebnis, dass der Name zumindest in der Schreibweise STOYKE sehr dürftig vertreten ist. Träger des Namens STEIGER gibt es dagegen allerdings in sehr großer Zahl.


4.2 Niederlande (Holland)

Eine andere Theorie vermutet die Herkunft der STOYKE aus dem holländischen Raum. Tatsächlich findet man die Nachsilbe "-ke" bei vielen Namen im niederdeutschen Raum wieder, wo es ursprünglich die Bedeutung "zugehörig zu" bzw. "Sohn von" innehatte. Vor diesem Hintergrund ist die oben beschriebene Konzentration von Personen mit Namen STOYKE im Großraum Oldenburg noch näher zu untersuchen. Allerdings ist die Endung "-ke" grundsätzlich auch in einem an Nord- und Ostsee grenzenden Streifen von Niedersachsen über Mecklenburg und Pommern bis nach Ostpreußen verbreitet. Sie taucht dort als Verkleinerungsform in Familiennamen auf, kann aber genauso auf die Variation eines Namens in vertaulicher, herabsetzender (für dieselbe Person) oder unterscheidender Absicht (für Senior und Sohn) gedient haben (dtv-Atlas Namenkunde). In unserem Beispiel könnte so aus dem Namen STOI oder STOY der Name STOIKE geworen sein. Eine Ableitung der Herkunft eines Namens aus ihr ist bedenklich, da sie viele unterschiedliche Ursprünge hat. Prof. BREZA führt ein weiteres mögliches Beispiel für die Bildung dieses Suffix an (s.o.).

Festzustellen ist allerdings, dass in den aktuellen niederländischen Telefonverzeichnissen (2004) keine der Namenvarianten "Stoi-" und "Stoy-" in nennenswerter Anzahl vorkommt; Namen mit dem Präfix "Steu-" gibt es gar nicht.

Allein in einem niederländischen Dialekt findet sich das Wort "stoike" wieder. Wörtlich übersetzt bedeutet es etwa: "zusammenbrechen, einstürzen".
Auf der Webseite "Word van de Week" (2002) wird das Wort im Kontext aufgeführt: "Stoike : (in-, neer-)storten. Mei e stuk in zein voote, stoikte-n-em van zeine stool. ... viel hij van zijn stoel."
Die Übersetzung lautet in etwa: "mit einem Stück an den Füssen (vielleicht ist damit "gut angetrunken" gemeint ?), fiel/stürzte er von seinem Stuhl".


4.3 Rumänien (Siebenbürgen)

Vergleicht man auch die Namen Stoike und Stoika - letzterer scheint in der Vergangenheit häufig mit Rumänien in Verbindung gebracht worden zu sein - könnte man vermuten, dass die Familie STOYKE / STOIKE ihren Ursprung in Siebenbürgen-Rumänien hat. Barbara STOYKE glaubt um 1969 hierin die plausibelste Antwort auf die Frage der Herkunft zu finden, zumal ihr bekannt ist, dass Erwin Stoyke im 1. Weltkrieg in Rumänien einen Namensvetter getroffen hat, der dort ebenfalls Landwirt war.

Recherchen zu diesem Siedlungsraum sind vom Verfasser bisher nicht unternommen worden. Aufgrund der Darstellung der Verbreitung von Namen durch Professor BREZA scheint eine Verbindung zwischen den STOYKE / STOIKE-Familien in Pommern und Westpreußen zu den im südlichen Polen lebenden STOJKA-Namensträgern und damit auch eine Verbindung zu den dort angrenzenden Staaten wie der Slowakei, der Ukraine und das noch weiter südlich davon gelegene Rumänien nahezu ausgeschlossen.


5. Vorläufiges Fazit

(in Vorbereitung)

Die Quellenlage für die Zeit bis in das 18. Jahrhundert ist derzeit noch sehr lückenhaft. Die Herkunft des Stammes STOYKE aus Hinterpommern - wie in der Einschätzung von Bernd STOYKE dargelegt - scheint auch durch die Ergebnisse neuerlicher Recherchen gestützt zu werden. Es ist bekannt, dass im 17. und 18. Jahrhundert andere Familien aus dem Gebiet Stolp wie auch aus dem neumärkischen Teil Pommerns (Rederitz) nach Westpreußen zugewandert sind. Gerade bei Tuchmachern, die zu den Gewandschneidern engste Berufsverbindung hatten, ist diese West-Ost-Wanderung aus der Mark (Brandenburg), Neumark, Pommern in das Weichselgebiet nach Westpreußen, Posen und Polen hin in dieser Zeit gang und gäbe gewesen.[ 1 ]
Eine Verbindung der hinterpommerschen Namensträger zu den bekannten frühen Namensträgern in Westfalen, in England und in den USA ist zur Zeit nicht nachgewiesen.


Email an den Verfasser: olafschmidt1@gmx.de


Fussnote:
[1] Quelle: Dr. Herbert Spruth, Berlin-Lichtenfelde mit Schreiben vom 25.06.1968 an Elisabeth Sommerfeld.


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