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Historischer Schutzsegen

aus dem Nachlaß der Familie Stoyke / Stoike in Westpreußen


Historischer Schutzsegen - ein Beitrag zur Herkunft der Familie Stoyke / Stoike ?

Zur Bedeutung des Dokumentes

Aus dem Nachlass der Familie Stoyke in Klein Rehwalde, Kreis Löbau sind drei in Sütterlin handgeschriebene Dokumente erhalten. Wie sich herausstellte, handelt es sich um einen so genannten historischen Haus- und Schutzsegen. An den Handschriften ist erkennbar, dass es sich um unterschiedliche - namentlich nicht weiter bekannte - Schreiber handelt. Die Klärung der Frage, in welchem Zeitraum solche Dokumente kursierten und wo die Räume ihrer Verbreitung waren, könnte eventuell Hinweise zur Herkunft der Familien Stoyke / Stoike in Westpreußen geben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Dokumente eventuell auch durch eingeheiratete Familien in die Familie Stoyke gelangt sein könnten (Tonn, Teschke). Tatsache ist, dass die Besitzer den Papieren eine hohe Bedeutung beimaßen, haben sie doch - im Gegensatz zu den meisten anderen persönlichen Dokumenten - Krieg(e) und Flucht überstanden. Erste Ansätze zur Klärung des Sachverhaltes sind im folgenden beschrieben.

Allgemeines zu Schutzsegen

"Seit jeher versuchten die Menschen sich gegen Gefahren, Unglück und Krankheiten wirksam zu schützen. Die Angst vor diesem "Bösen", das ihnen widerfahren könnte, ließ sie das "Gute" um Schutz anflehen und versuchen, das "Böse" von sich zu bannen: Es verquickten sich (Bitt-) Gebete und (Abwehr-) Zauber. Das änderte sich auch kaum durch das Christentum. Im Volksglauben blieben neue religiöse und uralte magische Vorstellungen z. T. bis in die heutige Zeit eng verknüpft. Besonders beim Kreuz, das schon in vorchristlicher Zeit eine gewisse Allgemeingültigkeit als Heilszeichen hatte, verbindet sich die christliche Symboldeutung mit dem Sinn magischer Abwehr."

"Die von alters her bekannte heilerische Erfahrung von Hirten wurde oft weiter interpretiert: Den Viehhütern wurden hellseherische Fähigkeiten zugeschrieben, und man glaubte, sie könnten Schutzsegen gegen Wölfe aussprechen. (16.-17. Jh.) In vielen Bereichen des dörflichen Alltags waren magische Praktiken verbreitet. Bestimmten Berufsgruppen unterstellte man magische Fähigkeiten: Katholische Pfarrer z.B. verwendeten Sakralmagie als Heilmittel." [ 1 ]

Im "Heimatbuch der Schule Brenitz" (Niederlausitz) gibt es einen Artikel über ein aus den Freiheitskriegen 1813/14 stammendes Merkbuch, in dem einer der Vorfahren des (unbekannten) Verfassers eine Reihe von "Zauber- und Besprechungsformeln" festgehalten hat, darunter auch ein nicht unähnlicher Text:

"Haus- und Schutzsegen.
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes!
Amen!
So wahr als Christus am Oelberg stand,
so soll alles Geschütz stille stehn.
Wer dieses geschrieben bei sich trägt, den wird nichts treffen!"
[ 2 ]

Ob derartige Schriften fester Bestandteil der kirchlichen Politik waren oder sich als "Blüten" des kirchlichen Verständnisses eigenständig entwickelt haben, ist mir nicht bekannt. In dem uns vorliegenden "Schutzbrief" werden zum einen Ängste geschürt (vgl. den "bösen" Gott des alten Testaments), auf der anderen Seite bei Befolgung bestimmter Auflagen das ewige Heil versprochen sowie ein Sündenablass gewährt. Interessant auch die wohldosierte Verflechtung mit abergläubischen Inhalten (Heil- und Schutzwirkung des Schutzbriefes selbst, Donner und Blitz als Bestrafung durch Gott) sowie die Nennung angeblicher historischer Begebenheiten ("Graf Philip von Flandern" / "Kaiser Karl"), um beim Leser Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Niedergeschriebenen auszuräumen. Die Menschen des bäuerlichen Standes mit in der Regel nur grundlegender Bildung waren sicherlich empfänglich für eine derartig offensive Form der Missionierung. Obgleich die bekannten Stoyke-Familien in Westpreußen grundsätzlich Mitglieder der evangelischen Kirche waren, ist dieses insofern vorstellbar, legt der historische Schutzsegen doch auch Zeugnis ab von der täglichen Sorge um die eigene Existenz der Menschen.

Bisher ist eine Datierung des vorliegenden Schutzsegens nicht möglich gewesen. Sicher ist nur, dass die Handschriften nach 1505 entstanden sind, da diese Jahreszahl genannt wird. Daneben lässt die Erwähnung eines Feldzuges "Kaiser Karls", eine Entstehung des Schreibens nach 1525 annehmen (dazu mehr nachstehend).

Graf Phillip von Flandern

Die historische Person des erwähnten "Grafen Philip von Flandern" gab es tatsächlich. Im Laufe der eng mit Burgund (Frankreich) verknüpften Geschichte Flanderns treten verschiedene Vertreter dieses Namens auf, der letzte erst im 19. Jahrhundert. Der bekannteste dürfte jener Graf Philipp von Flandern gewesen sein, der einem Bündnis aus französischen und aquitanischen Edelleuten angehörte, dass Heinrich den Jüngeren (12. Jahrhundert) zum "wahren König von England" erklärte. Der Graf wird später als Vermittler zwischen dem Grafen Balduin und Heinrich dem Jüngeren genannt. Er berief Beide im Juli 1189 nach Ypern und bewog sie dort zum Abschluss eines Waffenstillstandes.

Jerusalem

Erste Recherchen ergaben, dass die christliche Herrschaft über Jerusalem bereits 1187 durch den muslimischen Führer Saladin ein für alle Mal beendet wurde. Danach herrschten zunächst die Mamelucken über das "Grabe unseres Herrn", also auch zu der Zeit, als laut Text des Schutzsegens angeblich das "heilsam Gebet" dort gefunden wurde.

Kaiser Karl V und seine Kriege gegen Frankreich

Herrscher des Namens "Kaiser Karl" gab es bekanntlich ebenfalls mehrere: In Frage kommt hier meines Erachtens insbesondere Karl V, der von 1500 bis 1585 lebte und die Kaiserwürde des Heiligen Römischen Reiches (1530-1556) inne hatte. Er führte vier Kriege gegen Frankreich (genauer gesagt gegen seinen Widersacher König Franz I. von Frankreich). Karls Ziel war die Wiederherstellung des mittelalterlichen, christlichen (d.h. in einem, dem rechten Glauben vereinten) Universalreiches unter seiner Führung. Mit seinem Rückgriff auf die Kaiseridee Karls des Großen musste er in der Folge zwangsläufig mit verschiedenen Kräften in Konflikt geraten; unter anderem mit Frankreich, das dem Kaiser den Führungsanspruch im Abendland streitig zu machen suchte.

Die dynastischen Auseinandersetzungen zwischen Franz I. von Frankreich (Francois) und Karl um den Besitz in Italien und Burgund eskalierten in einem Krieg, der zugleich eine Auseinandersetzung um die Vorherrschaft in Europa war. Dieser erste von insgesamt vier Kriegen gegen Frankreich, in dem sich Karl mit Heinrich VIII. von England und dem Herzog Karl von Bourbon gegen Franz I. verbündet hatte, endete 1525 mit einem Sieg Karls über die Franzosen bei Pavia und der Gefangennahme Franz I. Im Januar 1526 musste Franz im Frieden von Madrid auf seine Ansprüche auf Italien und das Herzogtum Burgund verzichten.

Bald nach seiner Freilassung 1527 widerrief Franz jedoch alle Vereinbarungen aus dem Frieden von Madrid und nahm den Krieg gegen Karl wieder auf; diesmal standen Heinrich VIII., einige italienische Stadtstaaten sowie Papst Klemens VII. Franz zur Seite. Ziel des Papstes, als er sich der Liga von Cognac gegen Karl anschloss war, Karls Truppen aus Italien zu verdrängen. 1527 aber fiel das kaiserliche Heer in Rom ein, plünderte die Stadt und nahm Klemens gefangen. Dieser zweite Krieg zwischen Karl und Franz endete 1529 mit dem Damenfrieden von Cambrai. "Damenfrieden" deshalb, weil er von Luise von Savoyen, der Mutter Franz I., und Margarete von Österreich, der Tante Karls, ausgehandelt worden war. Franz verzichtete wiederum auf alle Ansprüche in Italien, erhielt aber das Herzogtum Burgund. 1530 krönte der Papst Karl in Bologna zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches - dies sollte die letzte Krönung eines römischen Kaisers durch den Papst sein.

1536 befand sich Karl erneut im Krieg mit Frankreich; diesmal hatte sich der katholische Franz mit den "ungläubigen" Türken verbündet. Dieser Krieg endete 1538 nach einigen Niederlagen Karls mit dem Frieden von Nizza, der Franz I. einen Teil des Piemont zugestand.

1542 nahmen Franz und Karl zum vierten und letzten Mal den Krieg wieder auf; der Friede von Crépy von 1544 bestätigte im Großen und Ganzen den Damenfrieden von Cambrai, außerdem sagte Franz seine Hilfe gegen die protestantischen Reichstände zu.

Schlussfolgerungen

Dass die Ära des "Kaiser Karl" zum Zeitpunkt der Abfassung des historischen Schutzbriefes noch nicht allzu lange vorüber gewesen sein könnte, lässt sich eventuell aus der Tatsache ableiten, dass die betreffende Passage ("Als Kaiser Karl zu Felde zog, erhielt er es vom Papst zum Geschenk. Als er in Frankreich einzog,...") nicht weiter kommentiert wird und der Verfasser auch beim einfachen Volk, dem Adressaten des Schutzbriefes, eine allgemeine Kenntnis der genannten historischen Person und Ereignisse voraussetzt. Natürlich ist diese These rein spekulativ. Wie erwähnt waren "Haus- und Schutzsegen" mindestens bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts und vermutlich auch noch danach verbreitet.

Um den für die Entstehung des historischen Schutzsegens in Frage kommenden Zeitraum näher einzugrenzen sind möglicherweise Untersuchungen der drei verschiedenen Handschriften, eine Altersbestimmung des Papiers und noch wichtiger, eine Datierung aufgrund der Wort- und Satzbildung erforderlich. Bestimmt gibt es bereits Erkenntnisse zu vergleichbaren historischen Dokumenten und ihrer zeitlichen sowie räumlichen Verbreitung. Bleibt offen, wo diese Erkenntnisse zu suchen sind. Das Niedersächsische Institut für Regionalforschung wurde in dieser Angelegenheit vom Verfasser bisher nicht kontaktiert. Vielleicht gibt es dort Antworten auf die noch offenen Fragen.


Fussnoten:

[1] Quelle: Herbert Wagner - (http://www.jahrbuch-daun.de)
[2] Quelle: Bernhard Wagner - (http://home.arcor.de/Bernhard_Wagner/)

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Abschrift des Schutzsegens aus dem Nachlass der Familie Stoyke


Haus und Schutzbrief oder Der Segen Gottes


Damit ihr euch vor Sünden hütet, den Feiertag haltet und in der Gottseligkeit lebt, werdet ihr die ewige Seligkeit erlangen.

Tut ihr dieses nicht, so werde ich euch mit Feuer, Pest und Hunger kriegen und einer ewigen Strafe. Ich werde aufhetzen einen König wider den andern, einen Herrn wider den andern, die Väter wider die Mütter, einen Bruder wider den andern, eine Schwester wider die andere, eine Stadt wider die andere und werde alsdann meine Hand euch zurückziehen, wegen euren vielen Sünden, werde euch ergreifen und vertilgen und hernach mit Donner und Blitz und einem zweischneidigen Schwert auf die Erde herabfahren, damit ihr erkennt meinen Zorn, in göttlicher Gerechtigkeit, weil ihr Sonntag arbeitet.

Aus väterlicher Liebe habe ich Euch bisher verschont. Sonst wärt ihr längst wegen eurer Ungerechtigkeit verdammt worden.

Ich befehle euch jung und alt, dass ihr fleißig in die Kirche geht und eure Sünden bereut. Bei der Buße müsst ihr von euren Nächsten erledigt sein.

Hütet euch vor Unterdrückung der Armen, sondern helft den Dürftigen.

Wer diesen Brief nicht glaubt, der soll die ewige Seligkeit nicht erlangen. Wer ihn aber bei sich trägt und andern zum Lesen oder zum Abschreiben gibt, der mag Sünden auf sich haben wie Sterne am Himmel oder Sandkörner am Meer, sollen ihm seine Sünden vergeben werden.

Wer aber diesen Brief nicht glaubt und ihn nicht im Hause, hat keinen Segen. Wer ihn aber nicht zum Lesen oder Abschreiben gibt, der soll verdammt werden.

Jetzt befehle ich Euch, dass ihr meine Gebote haltet wie Jesus Christus. Im Namen Gottes X: des Vaters X: des Sohnes X: und des heiligen Geistes X: Amen.

Wer dieses abschreiben, Segen bei sich trägt, wird von einem jeden geladen Gewehr kein Schaden leiden, denn es sind Worte, die das Göttliche bekräftigen und wofür man sich nicht zu fürchten braucht.

Dieser Brief schützt vor allem Geschoss, Feinde, Diebe, Räuber und alle Beschwerlichkeiten. Durch folgende Worte und der Name unseres Herrn Jesus Christus und damit alle Beschwerden als Schwert, Gewehr und alles Geschütz stehet still; alle sichtbaren und unsichtbaren.

Damit ihr nicht auf euch los geht durch den Befehl unseres Herrn Jesus Christus, der von Johannes in dem Fluss Jordan getauft worden ist, stehet still alle sichtbaren und unsichtbaren Gewehre und Waffen durch die heilige Taufe der für uns gestorben und gemartert. Gott sei uns allmächtigen Gott gnädig.

3 stehet still alle sichtbaren und unsichtbaren Gewehr und Waffen.

Durch die Angst unseres Herrn Jesus Christus, der mich und dich erschaffen.

4 stehet still alle sichtbaren und unsichtbaren Gewehr und Waffen, damit ihr nicht losgeht durch den Befehl des heiligen Jesus. Amen.

Wer viele nicht vorstehen Worte keinen Glauben hat, der darf sie nur schreiben auf einem Messer und steche ein Tier damit. Es wird gewiss nicht bluten. Im Namen Jesus so dies geschrieben, so war als Christus gestorben auferstanden ist.

Wer an diesen Brief glaubt, wird keinen leiblichen Schaden leiden. Ich beschwöre alle Gewehre und Waffen bei dem lebendigen Gott des Vaters X des Sohnes X und des heiligen Geistes X so alle Heiligen, so dass mich heut kein tödliches Gewehr verwundet noch tötet. Gott, der Vater sei zwischen allen Kugeln. Amen.

Graf Philip von Flandern, der einen Ritter hatte. Dieser eines Verbrechens wollte er ihn den Kopf abhauen lassen. So vermochte durch seinen Scharfrichter nicht zu verwunden noch zu enthaupten. Dieses erregte große Verwunderung bei dem Grafen und allen Anwesenden. Der Graf ließ ihn herauf erfordern und brachte ihn zum Geständnis, worauf er ihm das Leben schenkte. Und der Ritter zeigte ihm sofort den Brief mit folgenden Buchstaben: H:X K:X B:X D:X I:X K:X. Der Graf ließ diesen Brief sogleich abschreiben.

Wenn Jemand die Nase blutet oder sonst verwundet wird, der lege nur diesen Brief darauf. So wird das Blut gleich stillen.

Oder wer nicht glauben will, der schreibe vorstehende Buchstaben auf einen Zettel und denselben einem Hunde um den Hals hängen, sodann nach ihm schießen. Und er wird ihn gewiss nicht treffen.

Bene :X Bestes :X Stokoprk :X

Dieses kräftige für Menschen heilsam Gebet zum heiligen Kreuze Christi wurde im Jahr 1505 auf dem Grabe unseres Herrn und Heilands gefunden. Als Kaiser Karl zu Felde zog, erhielt er es vom Papst zum Geschenk. Als er in Frankreich einzog, ließ er es auf ein Schild mit goldenen Buchstaben aufdrucken.

Wer dieses Gebet täglich betet oder beten hört und damit das Vaterunser auf Christi Leiden verbindet, wird keinen unnatürlichen Tod sterben, auch nicht durch Gift umkommen. Eine Frau in Kindesnöten wird leicht entbunden werden. Wenn der Mann das Kind neugeboren der Mutter zur Seite legt, wird es von Unglück befreit sein. Auch wird das Haus, wo es sich befindet, nicht von Ungewitter betroffen werden. Auch zuletzt dieses Gebet betet oder beten hört wird 3 Tage vor seinem Sterbetag ein Zeichen vom Himmel ersehen. Amen.

Bene :X Bestes :X Stokoprk :X


Ausschnitt aus dem Originaldokument eines der drei Schutzbriefe

Abb.: Ausschnitt aus dem Originaldokument eines der drei Schutzbriefe
Der Text dieser Passage lautet: "...wofür man sich nicht zu fürchten braucht Dieser Brief schützt vor allem Geschoss, Feinde, Diebe, Räuber und alle Beschwerlichkeiten. Durch folgende Worte und der Name unseres Herrn Jesus Christus und damit alle Beschwerden als Schwert, Gewehr und alles Geschütz stehet still; alle sichtbaren und unsichtbaren. Damit ihr nicht..."

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