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Ortsgeschichte und Erinnerungen an Groß Plowenz, Kreis Strasburg in Westpreußen

von Elisabeth Sommerfeld, geb. Stoyke, Schifferstadt


An einem Punkte hatte der Graudenzer Jesuitenorden schon früh die Grenze des heutigen Strasburger Kreises berührt und zwar in Groß Plowenz.

Auch hier dem Wasser folgend, war er die Ossa aufwärts vorgedrungen und hatte auf der alten Heidenfeste Plowenz eine Burg anlegen lassen. Es war kein Ordensschloss. Ein Landritter hatte sich an diesem vorgeschobenen Posten angesiedelt.

Die Burg stand unterhalb der Heidenschanze, auch Schwedenschanze genannt.

1255 nennt eine Urkunde den Namen des Ritters Theodrich Ganshorn.

1289 übernimmt Thilo Ganshorn, ein Sohn von Theodrich, die Plowenzer Burg.

1222 schenkt der Herzog Konrad von Masovien dem Bischof Christian von Preußen die zerstörte kulmerländische Burg Plowenz.

1257 bestand hier schon eine Kirche, eine Urkunde nennt den Pfarrer Jakob von Plovic.

1277 wurde Plowenz von den Sudauern belagert.

Die Ossa bildete die Grenze zwischen den Bistümern Kulm und Pomesanien, der Plowenzer See gehörte beiden zur Hälfte.

1337 und 1343 wird Jeschko de Plovyz oder Plowis, 1339 Johann von Plowass, 1399 Jokusch von der Plofosen genannt.

Im 15. Jahrhundert bestanden zwei kölmische Dienstgüter, Groß Plowenz und Klein Plowenz. Sie gehörten zur Komturei Engelsburg. Auf Groß Plowenz ruhte ein Roßdienst, auf Klein Plowenz ein Plattendienst.

1380 bezeugt der Bischof Heinrich von Riesenburg, dass der Ritter Jakob Wyken und der Ritter Stybor von der Plowenz sich dahin geeinigt hatten, dass letzterer berechtigt sein soll, 2 Fischer auf dem bischöflichen Anteil des Plowenzer Sees zu halten.

1516 vertauschte der Kulmer Bannerführer Hewcke von Schmollung Plowenz an den Bischof von Kulm.

Zu dem Vorwerk Groß Plowenz gehörten die Dörfer Freywald (Rehwalde), Mirkaw (Mirakowo) und Clementkaw, sowie 10 Hufen zwischen dem Hofe Groß Plowenz und Freywald (Rehwalde), ferner die Mühle in Groß Plowenz und daneben 6 Hufen Land.

Der Müller erhielt vom Bischof Hosius 1549 - 1551 ein neues Privileg zu kulmischen Recht, der Zins betrug 48 Scheffel Roggen; er sollte erhöht werden falls ein 2. neues Rad angelegt wird.

1595 - 1600 stellte der Bischof Tylicki ein neues Privileg aus. Der Müller zinste für das 2. Rad 12 Scheffel Roggen und. hatte ein Schwein zu mästen.

1683 wurde ein neues Privileg gegeben. Der Müller erhielt ein Stück Acker, wovon er die vierte Garbe entrichten sollte. Für die Mühle zinste er 40 Scheffel Roggen und mästete 2 Schweine; für den Plowenzer Hof mahlte er Korn und Malz unentgeltlich. Zur Erhaltung der Schleuse wird ihm Scharwerkshilfe vom Hofe versprochen. Zur Erntezeit durfte er 3 Tonnen Bier brauen.

Über den Krug ist ein Privileg von 1613 vorhanden. Der Bischof bestätigt dem Krüger P1uskowenski den Besitz des Kruges samt einer Hufe Land, die er für 200 Thaler gekauft hatte, zu kulmischen Rechte. Er hatte das Bier vom Plowenzer Hofe zu nehmen, durfte jedoch jährlich von 50 Scheffel Gerste Bier zum Verschank brauen.

Scheinbar mit Absicht haben die Schweden die bischöflichen Dörfer Groß Plowenz und Mszanno total verwüstet. Groß Plowenz war 1661 völlig menschenleer. 1773 war das Vorwerk verpachtet. Im Dorf saßen 3 Bauern und 3 andere auf Rodeland, der Müller und der Krüger, 1 Zimmermann, 1 Fischer, 1 Böttcher, 1 Schmied, 1 Schneider, 1 Schuster, 10 Gärtner, 10 Einlieger. Auf dem Pfarrgrund 1 Schäfer und 2 Einlieger.

Nach der Säkularisation wurde das Vorwerk 1781 zu adligen Rechten an Wi1he1m von Goddenthow verliehen; die Roß- und Plattendienste der Bauern zu Groß Plowenz und Rehwalde und die von ihnen zu leistenden Getreidefuhren nach E1bing wurden ihm ebenfalls erblich überlassen. Goddenthow besaß auch die Schulzereien von Groß Plowenz, Klein Plowenz und Rehwalde. 1804 kaufte Groß Plowenz mit der Freischulzerei in Rehwalde für 30.800 Thaler der Präsident von Schrötter. Dessen Witwe Balbina verkaufte Groß Plowenz 1860 für 85.000 Thaler an den Landschaftsdirektor Adolf Wi1helm Körber, Körberode. 1890 übernahm es Alfred Heinrich Anton von Körber, vermählt mit Katharina Gräfin von Posadowski-Wehner aus Petersdorf, Westpreußen. 4 Sohne und 3 Töchter wurden in Groß Plowenz geboren. Das Gut umfasste mit dem dazu gekauften Mühlengut (48 ha) 759 ha. Die Bauern erhielten durch die Regulierung ihr Land zu vollem Eigentum. Die Bauern des Rittergutes wurden bei der Regulierung nach Rehwalde verpflanzt. Die Landgemeinde umfasste 201 ha.

1899 baute Rittergutsbesitzer von Körber eine evangelische Kirche. Die Innenausstattung war eine Stiftung von Anna von B1ücher, geb. von der Groeben aus Ostrowitt, Kreis Löbau. Die Glocke, Altar, Abendmah1sgeräte und Taufständer waren mit dem Namen der Frau von Blücher gezeichnet. 1945 rettete der langjährige Kirchenälteste und Gemeindevertreter Kar1 Stoyke die Altar, Abendmahlsgeräte und A1tarverkleidung der Plowenzer Kirche. Sie wurden dem evangelischen Pfarrer in Templin/Uckermark zur Aufbewahrung übergeben. Die Plowenzer Kirche wurde von der Leistenauer Kirche mitversorgt.

1908 verkaufte von Körber einen Teil seines Landes an die Ansiedlungskommission Posen-Westpreußen. Die Siedler waren Rückwanderer aus Russland. Die Namen, soweit mir bekannt: Michael Hinz, Jabs, Ristau, Goerke, Krause, Höhn, Hagenau, Schielmann und Schlaak. Aus Württemberg kam Friedrich Kamb, verheiratet mit Amanda, geb. Will. Arning?

Aus Amerika Karl Stoyke, verheiratet mit Anna Salinski aus Rehwalde, Ernst Stoyke, verheiratet mit Herta Dahm, Gollnik, Schiehmann. Das Restgut kaufte Peter Geddert, verheiratet mit Hedwig Geddert. Der letzte Besitzer war Hans-Joachim Geddert.

Mnich am See wurde über 100 Jahre von den Nachfolgern von Christian Stoyke bewohnt. Im Herbst 1928 feierte Carl Stoyke, verheiratet mit Berta Schmidt aus Neubrück bei Lessen, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Nach Mnicher Tradition wurde der Tag feierlichst begangen.

Der letzte Besitzer von Mnich war Kurt Stoyke verheiratet mit Käte Bomke aus Mareese, Kreis Marienwerder, langjähriger Gemeindevorsteher von Groß Plowenz und Klein Plowenz.

Der Plowenzer Seebesitzer war Otto Klein, verheiratet mit Maria [N.N.], bei dem man die schönsten Aale, Hechte und Schleie kaufen konnte. Im Sommer herrschte hier ein unbeschwertes Badeleben. Es war auch ein beliebtes Ausflugszie1 für viele Städter, so Gosslershausen, Thorn, Lübeck. Sogar Danziger suchten Erholung am romantisch gelegenen Plowenzer See. Wunderbar war auch eine Schlittenfahrt auf dem Plowenzer See, wenn der Raureif den Leistenauer Wald märchenhaft verzaubert hatte. Auch seriöse Herren in netter Begleitung mochten hier gerne angeln gehen.

Nicht weit vom See hatten wir in Plowenz noch ein herrliches Fleckchen Erde, und zwar wo die Struga in den Mühlenteich mündet, anschließend die Schleuse. Zwischen Schleuse und Mühlenteich eine schmale Brücke, nach Osten durch eine hohe Böschung abgeschirmt, die mit allerlei Bäumen und Sträuchern bewachsen war. Hier blühten auch die schönsten Anemonen, Leberblümchen und Schlüsselblumen. Außer dem Rauschen des Wassers herrschte hier tiefste Einsamkeit.

Gegenüber von Mühle und Mühlenteich lag die Schwedenschanze (Heidenschanze), dahinter der evangelische Friedhof. Unterhalb der Schwedenschanze lagen die Stallungen und Scheune des Müllers. Das Grundstück war durch die Landstraße getrennt. An dieser Stelle stand 1222 die Heidenburg. Die Heidenschanze (auch Schwedenschanze genannt) diente der Heidenburg als Verteidigungswall.

Die Schwedenschanze ist bewachsen mit Birken, Haselnusssträuchern, wilden Rosen und Kiefern. Die Seitenflächen sind mit Gras bewachsen.

Vom höchsten Punkt der Schwedenschanze konnte man den Plowenzer See, den dahinter liegenden Leistenauer Wald, das Ossatal, rechts den Pfarrsee gut übersehen. Die zweite Schwedenschanze lag östlich auf dem Grundstück von Kurt Stoyke. Diese Schanze ist mit Tannen bewachsen, auch von hier hat man eine gute Aussicht auf den Plowenzer See und das linke Ossatal.

1919 nach dem 1. Weltkrieg wurde nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages (28.06.1919) unser Gebiet den Polen übertragen. Dadurch entstanden in unserem kleinen Dorf große Veränderungen. Die Gemeindeverwaltung übernahm Josef Tychnowski.

Lehrer Eugen Eschenbach, verheiratet mit Else Bomke, zog nach Oberhausen, Westfalen. Es folgte Lehrer Josef Berg. Er heiratete später Anna Keidrowska aus Buchwalde. Lehrer Berg kam aus Ostpreußen.

Die Privatschullehrerinnen waren Toni Daum, Alice Hundsdorf und Herta Karau. Gasthausbesitzer Makowski, der gleichzeitig Organist war, verkaufte an Familie Pomykaj. Sie kamen auch aus Ostpreußen. Makowski zog ins Organistenhaus. Es gehörte zur katholischen Kirche.

Nach Pfarrer Wodege, der auch auswanderte, kam Pfarrer Johannes Horst. In der Plowenzer Kirche fand an jedem zweiten Sonntagvormittag Gottesdienst statt mit anschließendem Kindergottesdienst.

Zu Ehren der im 1. Weltkrieg Gefallenen von Plowenz und Rehwalde waren Kreuze in der Plowenzer Kirche angebracht worden. Die Namen sind mir leider bis auf drei entfallen: Jabs, Schielke und Otto Stoyke.

Viele Bauern verkauften ihre Grundstücke, etliche vertauschten sie und zogen fort. Nur einige heimattreue Bauern blieben noch in Plowenz: Hugo Bomke, Gollnik, Peter Geddert, Michael Hinz, Höhn, Hagenau, Mathilde Jabs, Otto Klein, Friedrich Kamb, Kurt Stoyke, Karl Stoyke und Winter, Gollnik und Schiehmann. Mühlenbesitzer Tessmer verkaufte an Romanowski, Josef.

Der Winter 1928/29 war ungewöhnlich hart. In einigen Nächten ließ Polarkälte das Thermometer auf - 40 Grad absinken. Im Frühjahr stellte sich dann heraus, dass viele Obstbäume, Sträucher, Bienenvölker und Saaten erfroren waren. Obwohl die Kälte unerträglich war, der Geburtstag von Tante Frieda wurde gefeiert (11.02.1929). Das Erlenholz prasselte im Ofen, der Grog dampfte. Frau Lipski und Frau Karau sorgten für musikalische Unterhaltung. Die beliebtesten Klavierstücke der damaligen Zeit waren: "Das Gebet einer Jungfrau", "Die Post im Walde", "Die Petersburger Schlittenfahrt", "Alte Kameraden", beliebt bei den alten Kriegern.

Etwa 1 km südlich von Plowenz liegt inmitten uralter Bäume der Abbau des Besitzers Paul Lipski, verheiratet mit Frieda Keck, verwitwete Stoyke, Otto. Ein Teil seines Landes grenzte an den Plowenzer See. Auf diesem Acker stieß 1938 der Knecht beim Pflügen auf eine Urne gefüllt mit römischen Denaren und Silberstücken.

Zu diesem Fund erklärt Lehrer Gustav Liek aus Löbau, der an vielen Ausgrabungen im Kreise Löbau teilgenommen hat: "Die Römische Epoche, die Zeit der direkten Handelsbeziehungen zwischen dem römischen Weltreich und unserer Heimat. Seit der Zeit des Kaisers Nero 54-68 n. Chr. nahm die Bernsteinausfuhr von der preußischen Ostseeküste einen solchen Aufschwung, dass die Einfuhr römischer Industrieerzeugnisse die ganze Kultur des Weichselgebietes beherrschte."

Die Münzen beweisen nicht, dass die Römer selbst bis zur Ossa gekommen sind (dies ist nie der Fall gewesen), aber sie liefern einen Beweis dafür, dass damals ein reger Handelsverkehr auf den Flüssen Weichsel, Drewenz und Ossa stattgefunden hat. Weitere Beweise für den Handelsverkehr des Weichellandes mit dem römischen Reich sind die folgenden Funde: Eine Münze vom Kaiser Antonius Pius fand man in Lippinken, Kreis Löbau. Eine Faustina wurde in Lonkorrek gefunden. Beide Münzen besaß Amtsrat Lange in Lonkorrek, Kreis Löbau.

Die Vergrabung dieses Fundes wird wahrscheinlich in den vierziger Jahren des 12. Jahrhunderts erfolgt sein, da um diese Zeit bereits der Übergang von den römischen Denaren zu den Halbbracteaten eingetreten war.

Am 01.09.1939 brach der 2. unglückliche Weltkrieg aus. Groß Plowenz wurde schnellstens in Freywald umgetauft. Es heißt jetzt wieder Groß Plowenz.

Im tiefsten Winter 17.01.1945 bei 20 Grad Kälte, Glatteis und Schneetreiben verließen die Plowenzer Bewohner ihre Heimat. Für die meisten war es ein Abschied für immer. Es begann die Tragödie der Flucht vor der "Roten Armee". Einige erreichten erst nach 90 schweren Tagen und bitter kalten Nächten Westdeutschland. Hinter Konitz wurde der Plowenzer Treck getrennt. Erst von der Wehrmacht, dann von den Russen überholt. Für die zurückgekehrten deutschen Familien nach Plowenz bildete es den zweiten Akt dieses grausigen Trauerspiels.

Zurückgekehrt waren: Frau Hedwig Geddert mit Tochter Gertrud Kickelhain, Familie Kurt Stoyke mit zwei Kindern, Joachim und Erika, und Karl Stoyke. Auch unserer guten, starken braunen Pferde sei gedacht. Nur ein kleiner Teil der Heimatvertriebenen hätte den rettenden Westen erreicht, wenn sie nicht so tapfer durchgehalten hätten. Manchmal mit einer Eisschicht von 3 cm auf dem Rücken zogen sie brav die schweren Wagen.

Gefallen 1939/1945:

Karl Bomke
Arnold Gollnik
Leo Hinz
Oskar Chr. Stoyke

Vermißt 1939/1945:

Friedrich Kamb
Friedrich Jabs

Opfer der Vertreibung 1945:

Hugo Bomke
Hedwig Geddert
Gertrud Kickelhain
Friedrich Hagenau
Alwine Gollnik mit 2 Kindern
Pauline Salinski
Karl Stoyke
Anna Stoyke
Paul Lipski
Frieda Lipski

Nach Sibirien verschleppt:

Edith Jabs
Berta Hagenau
Liesbeth Winter

Die ältesten Stoykes sind Joachim Stoyke, geb. 1557 in Eschung bei Stolp, 1586 Ratsherr zu Putzig in Westpreußen.
Hans Stoyke
aus Ratzebuhr in Pommern, Leineweber, seit 1637 Bürger in Konitz.
Paul Stoyke
, geb. 1595 in Eschung bei Stolp.
Georg Stoyke
, geb. 03.01.1685 in Tromnau, Kreis Rosenberg.

Dieser Georg Stoyke könnte ca. 1720 nach Kamin gekommen sein, als Pächter der Pfarrhufen.

Eine Verbindung nach Salzburg finden wir beim besten Willen nicht. Vielleicht sind sie gleich nach der Reformation in Preußen eingewandert 1520. Die meisten Salzburger kamen 1732, zu dieser Zeit müssen die Stoykes schon in Kamin gewesen sein. Schade, dass Pfarrer Wodege schon tot ist, von ihm stammte doch die Sage.

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Kartenauschnitt Groß Plowenz, Kreis Strasburg:

Kartenausschnitt Topographische Karte 1 : 25.000 - Groß Plowenz -
© Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2004

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