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Ortsgeschichte und Erinnerungen an Kamin (Stein), Kreis Strasburg in Westpreußen

Inhalt:

Erinnerungen an Kamin (Stein), Kreis Strasburg in Westpreußen

von Barbara Stoyke, vormals Kamin und Brakel


Das Dorf Kamin, Kreis Strasburg gehörte zum Amtsbezirk Gosslershausen, einem Bahnknotenpunkt zwischen den Strecken Schneidemühl-Königsberg und Warschau-Danzig oder im engeren Bereich der Strecken Thorn-Deutsch Eylau und Strasburg-Graudenz. Es war ein Landstädtchen von ca. 3.000 Einwohnern. Die Ortschaft Kamin lag 4 km südlich von Gosslershausen, war ein Bauerndorf, bis 1920 mit fast ausschließlich deutscher Bevölkerung.

Um die Jahrhundertwende - 1900 - waren in Kamin folgende deutsche Bauern ansässig:

Erwin, Robert und Ernst Stoyke, Arnold Hollatz, Erich Santowski (Sonthof), Hermann Schielke, Hulda Thom, Albert Kirschke, Kühn, Weichert, Pehlke, Dommer, Schruhl. Außer Schruhl und Weichert waren alle anderen Eigentümer ihrer Höfe bis zur Vertreibung 1945.

Nach 1920 wurden auch Polen im Dorf ansässig. Ulanowski und ein Kongreßpole saßen z.B. auf ehemals deutschen Höfen. Sagerski bewohnte das alte evangelische Pfarrhaus, das zugleich das Gutshaus des Pfarrhofes war und das schönste Haus im Dorf gewesen sein soll. Robaczewski und Jankowski hatten ihre eigenen Höfe.

Es gehörten 6 größere und viele kleinere Besitzungen zu Kamin. Außerdem war im Dorf ein Gasthof, eine Volksschule (bis 1920 deutsch, danach polnisch) eine Schmiede, eine Stellmacherei, Besitzer Murawski (zugleich Honiglieferant), eine Sattlerei. Eine Kirche war nicht vorhanden, dafür aber ein evangelischer Friedhof. Größere Gutsbetriebe waren nur in der Nachbarschaft. Es grenzten an die Kaminer Flur folgende Güter: Piecewo, ca. 1.500 Morgen, Besitzer Szymon von Mesztowicz, Jaguschewitz, ca. 2.000 Morgen, Besitzer Sugajski, Hochheim, ca. 1.800 Morgen, Besitzer Hans-Heinrich Goertz und nach Strasburg zu Mileschewo.

Der Acker in Kamin ist schwerer bis mittelschwerer Boden. Das besagt schon der Name für einen Weg "Am Lehmberg", der vom Dorf zum Hof Robert Stoyke führte. Es wurden deshalb hauptsächlich Weizen und Zuckerrüben angebaut, bei entsprechender Schweine- und Rinderhaltung. Während der Hof Arnold Hollatz sich auf Rindviehzucht spezialisiert hatte, stand auf den Stoyke´schen Höfen an erster Stelle die Pferdezucht. Die jungen Remonten wurden mit guten Absatzmöglichkeiten - besonders vor dem ersten Weltkrieg - in Thorn, Graudenz und Danzig an das Militär verkauft.

Die Städte Thorn und Graudenz spielten auch in kultureller Hinsicht eine führende Rolle, und dieses besonders nach 1920. Dort lagen die höheren Schulen, die von der Kaminer Jugend besucht wurden. Sie waren auch die Einkaufszentren der Hausfrauen. Auch größere Feste und andere Veranstaltungen fanden dort statt, ebenso wie gelegentliche Theaterbesuche. Kleinere Veranstaltungen, z.B. vom Hausfrauenverein, landwirtschaftlicher und kirchlicher Art fanden in deutschen Lokalen in Gosslershausen statt. Nach 1920 und besonders nach 1933 wurden derartige Zusammenkünfte durch Schikanen der Polen sehr erschwert, so dass in letzter Zeit nur in dringendsten Fällen ein Treffen stattfand.

Letzter polnischer Bürgermeister war Ulanowski, der zur deutschen Bevölkerung ein recht gutes Verhältnis hatte, worauf auch die Tatsache zurückzuführen ist, dass nur ein Deutscher aus Kamin 1939 nach Warschau verschleppt wurde. Diesen Weg musste Arnold Hollatz mitmachen, weil er im 1. Weltkrieg Offizier war. Zum Glück konnte er aber gesund wiederkommen. Die Deutschen in Kamin sind insgesamt fünfmal auf die Flucht gegangen: 1914, 1918, 1920, 1939 und 1945. Der älteste der Familie Stoyke, Karl Stoyke, Gosslershausen war zu Fluchtbeginn 1945 92 Jahre alt. Der jüngste Stoyke, Heinar, ein Enkel von Erwin Stoyke, Kamin 8 Tage alt - das war am 18. Januar 1945.

Der letzte Ortsbauernführer war Erwin Stoyke, der letzte Bürgermeister Arthur Dommer. Treuhänderisch wurde kein Betrieb in Kamin verwaltet. Nur ein Umsiedler aus Bessarabien, Müller, wurde in Kamin eingewiesen und hat den Hof Jankowski bekommen. Durch sein freundschaftliches Verhältnis zu den alteingesessenen Kaminern hat er sich schnell und gut eingelebt.

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Zur Ortsgeschichte von Kamin (Stein), Kreis Strasburg in Westpreußen

(aus: Dr. Hans PLEHN, Königsberg i. Pr. 1900: Ortsgeschichten des Kreises Strasburg in Westpreußen)


Zur Ordenszeit gab es 2 kölmische Dienstgüter mit der Verpflichtung eines Platendienstes: Gross und Klein Steyn.

1407 wird Glabun zum Steyne genannt. 1414 erlitt Groß Steyn. an 150 Mark Schaden. Das Dienstbuch (um 1420) nennt Pilgrim vom Großen Steyne. 1432 erhielt Tenner vom Großen Steyne 10 Hufen in Leyne. 1446 wird Friedrich vom Kleinen Steyne genannt. - Der polnische Name Kamien kommt schon 1605 vor. Groß und Klein Kamin werden fortan nicht mehr unterschieden. Den deutschen Namen Stein hat noch 1789 Goldbeck genannt.

1644 erwarb das Graudenzer Jesuitenkollegium Kamin, worauf es eine Forderung von 3.400 Fl. stehen hatte. Die Kirchenvisitation von 1743 bemerkt, daß seit etwa 10 Jahren Protestanten in Kamin angesiedelt seien.

1773 waren in Kamin 13 Bauern, 10 Instleute, 1 Schmied, 1 Krüger, 1 Schneider und 2 Hirten. Damals bestand eine evangelische Schule.

1789 zählte Kamin 20 Feuerstellen. Reguliert wurden 14 Bauern.

1795 wurde dem Dorf die Neusasserei Borrek überlassen. Die Landgemeinde umfaßt 614 ha.


Ergänzende Anmerkung (Verfasser nicht bekannt):

Nach der Säkularisation, ca. 1780, erhielten die Bauern ihr Land zu vollem Eigentum. Es war ein Geschenk des Königs. Bei den Fahrten Friedrichs des Großen mußten die Kaminer Bauern Vorspann leisten. Friedrich der Große war 11 mal in Westpreußen. Er leitete den Festungsbau in Graudenz.

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Kartenauschnitt Kamin, Kreis Strasburg mit Piecewo:

Kartenausschnitt Topographische Karte 1 : 25.000 - Kamin, Kreis Strasburg -
© Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2004

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