Kirchengemeinde Hausen ob Verena

Hausen ob Verena ist eine altevangelische Gemeinde (seit 1564). Der Landesherr Graf Eberhardt im Barte hatte zwei uneheliche Söhne. Der eine, Hans, bekam als Abfindung die Burg Hohenkarpfen mitsamt dazugehörigem Dorf Hausen ob Verena geschenkt.
Hausen ob Verena liegt oberhalb von Spaichingen, etwa zwischen Rottweil und Tuttlingen.
Unsere Kirchengemeinde hat 450 Gemeindeglieder.
Unsere Stephanuskirche wurde etwa in jener Zeit gebaut. Sicher gab es eine ältere Kirche, von der aber nichts mehr erhalten ist.

Hier steht ein Schwarzweissbild unserer Stephanuskirche
 
Einige Bilder aus der Stephanuskirche

 
Württembergische Landeskirche:

    Evangelische Landeskirche

   Evangelisches Dekanat Tuttlingen - Predigten von Dekan Morlock

    Evangelisches Gemeindeblatt  
 

Evangelische Kirche in Deutschland
 
Kirchen(-gebäude) in aller Welt
 
 

Zurück zur Homepage  
 

 

Stephanuskirche:
Bau und Ausstattung

In deutlicheres Licht tritt die kirchliche Geschichte Hausens erst seit Ende des 15. Jh., als "Hans Wirtemberger", vorehelicher und nachträglich auf Bitten des Vaters von Kaiser Friedrich III. 1484 legitimierter und geadelter Sohn des Grafen Eberhard V. ("im Bart"), am 22. April 1491 mit der Herrschaft Karpfen belehnt wurde. Seither und namentlich in der Reformationszeit war die kirchliche Geschichte Hausens eng mit der mit dem Herzogshaus Württemberg verwandten Familie von Karpfen verbunden, bis diese mit Hans V. Adam 1663 in männlicher Linie ausstarb.

Die Hausener Stephanuskirche hat Hans I. sicher schon vorgefunden, wenn auch nur teilweise in ihrer jetzigen äußeren Gestalt, die weitgehend vom barocken Umbau 1769 bestimmt ist. Erst von 1769 ist verwunderlicherweise die älteste schriftliche Bemerkung über das Hausener Kirchlein erhalten, nämlich auf einer im Pfarrhaus aufbewahrten hölzernen Tafel mit 57 Namen von Gemeindemitgliedern, die "Zu Aus Zierung dieses in dem Jahr (1769 Neu Auffgebauten und Dom. XIX. p. Trin. o. a. Eingeweyhten gottes Hauses..." mit Spenden beigetragen haben.
"Neu aufgebaut" kann hier nur eine umfassende Erneuerung mit teilweisem Umbau, nötigenfalls auch Ersatz baufälliger Teile meinen. Denn eindeutig stammt der Chor nach den spätgotischen Maßwerksresten, die in drei seiner fünf Fenster erhalten blieben, und nach der mit spätgotischem "Eselsrücken" geschmückten Sakramentsnische (Südwand des Chors, seit 1965-67 im Triumphbogen für die Taufkanne), aus dem 14. oder 15. Jh. An den Chorecken hören die Eckquader, wie man bei der Erneuerung 1965-67 sah, etwa 80 cm unterhalb des jetzigen Ortgangs auf; demnach dürfte der Chor 1769 für die damals eingebaute Orgelempore höhergezogen worden sein.

Beim Kirchenschiff mit seinen korbbogigen Fenstern könnte man vermuten, es sei vielleicht 1769 ganz neu erbaut worden. Aber die damals bei Neubauten doch kaum mehr üblichen, in der westlichen Giebelwand etwa 115 cm starken Bruchsteinmauern sprechen eher dafür, daß damals nur der obere Teil der Wände mit den Fensterleibungen neu aufgemauert wurde. Bei im Jahre 1966 abgeschlagenem Putz zeigte an der Südwestecke des Schiffs die obere Hälfte auffallend größere und hellere Eckquader (die übrigen Ecken des Schiffs sind ohne Quader nur aus Bruchsteinen gemauert).
Auch die in den Mauern des Schiffs eingesetzten Grabmäler, alle von vor 1769, wären damals bei einem völligen Abbruch und Neubau kaum wieder eingesetzt worden, zumal einige von ihnen nicht an historische Prominente erinnern. Es ist wohl nicht einmal ganz undenkbar, daß ein Teil des Schiffs, besonders der untere Bereich der Westwand, sogar noch von der ersten, wahrscheinlich romanischen Kirche herstammen könnte.

Ritter Hans I. von Karpfen ließ es sich offensichtlich angelegen sein, die Hausener St. Stephanus-Kirche, für die er als Patron auch baulich verantwortlich war, würdig auszustatten.

Daß der sogenannte Karpferstuhl Jetzt neben der Sakristeitür), eigentlich nur ein Aufsatz auf einem Sitz der "Richterstuhl"-Reihe, sein und seiner Nachkommen persönlicher Kirchenstuhl war, ist zwar nicht nachweisbar, aber möglich. Auch die Richterstühle und das andere Herrengestühl, das bei der Erneuerung 1965 bis 1967 restauriert, teilweise ergänzt und wieder im Chor aufgestellt wurde, dürften aus jener Zeit stammen.

Vor allem stiftete Hans I., wohl um 1500 oder wenige Jahre vorher, den Hochaltar. Er stand ziemlich sicher zwischen den beiden östlichen Chorfenstern. Die Predella (= Schemel), die Untersatz-Tafel des Altar-Aufbaues, war seit vermutlich 1769 bis 1965 an der Brüstung der Westempore angebracht, zu hoch, um ihre feinen Einzelheiten betrachten zu können.
Bei der Restaurierung durch Prof. Dr. H. D. Ingenhoff/Tübingen, 1965 bis 1967, kam unter blauer Ubermalung der ursprüngliche gotische Goldhimmel wieder zum Vorschein. Die Predella konnte dann an der wieder freigewordenen Chor-Nordwand über dem Herrengestühl einen guten Platz finden. Sie zeigt, wie die meisten gotischen Predellen, Christus mit den Aposteln. Christus in großer Hoheit und Milde; in der von einer Wolkenmandorla umschlossenen Aureole zarte anbetende Engelsgestalten; die rechte Hand segnend, in der Linken die Weltkugel mit aufgesetztem und eingezeichnetem Kreuz und einer Landschaft, die an den Hohenkarpfen vor dem Zundelberg erinnert, so wie es etwa vom Hohenlupfen her aussieht, nur verwunderlicherweise ohne Burg.

Beiderseits von Jesus Christus die Apostel, ihre Attribute -meist die Martyriumswerkzeuge, mit Ausnahme von Jakobus d. Ä., nur außerbiblisch und in verschiedenem Grade legendär überliefert-sind in den alten Darstellungen überwiegend fest, manche auch wechselnd den einzelnen Aposteln als Kennzeichen zugeteilt.

Zur Rechten Christi, an der "Brotseite" (Hostienseite) des Altars, Petrus mit Buch und Ciborium (Hostienbehälter), auf dem Gewand alttestamentliche Prophetengestalten, auf der unteren Randleiste der Schlüssel. Hinter ihm mit Hellebarde wahrscheinlich Matthäus, dann Jakobus d. Ä. mit dem Schwert, neben ihm Bartholomäus mit weißem Gewand und Häutungsmesser, seine abgezogene Haut auf dem rechten Arm tragend. Darunter, von Christus abgewandt, der Kopf des Verräters Judas Ischarioth. Hinter Bartholomäus der anstelle des Ischarioth hinzugeloste Matthias mit Beil; außen warscheinlich Philippus mit Pilgerstab (oder Geißel?), auf der Randleiste die Muschel, das Trinkgefäß des Pilgers.

Auf der Kelchseite des Altars Johannes mit Kelch und Giftschlange -er soll nach der einst weitverbreiteten Legendensammlung "Legenda aurea" des Genueser Erzbischofs Jakob von Viraggio (13. Jh.) einmal in Ephesus gezwungen worden sein, einen Giftbecher zu trinken, ohne Schaden zu nehmen. Dann Jakobus d. J. (Alphaci) mit Tuchwalkerstange; Andreas mit Gabelkreuz; Simon Zelotes mit Säge; mit Winkelmaß wahrscheinlich Thomas; außen wahrscheinlich Judas Thaddäus Lebbäus mit Keule.

Auf der Cuppa des Kelchs Johannis spiegelt sich der Maler -offenbar eine Besonderheit. Die Hausener Predella gilt als ein Werk der Ulmer Schule des Meisters Bartholomäus Zeitblom (+ zwischen 1518 und 1552). Sicher von ihm stammt der Altar vom Heerberg am Kocher bei Gaildorf, an dem auf einer schmalen Nebentafel ein Selbstbildnis des Meisters, signiert und auf 1491 datiert, im 19. Jh. von Justinus Kerner wiederentdeckt und bekanntgemacht wurde; der Heerberger Altar befindet sich jetzt in der Stuttgarter Staatsgalerie. Zwar keine sichere Identität, aber eine Ähnlichkeit beider Selbstbildnisse ist gegeben.
Auf dem Heerberger Bild scheint der Maler bärtiger und vielleicht älter; aber das Hausener Selbstbildnis soll ja im Unterschied vom Heerberger ein Spiegelbild auf halbmattem Metall darstellen und ist deshalb wohl absichtlich weniger konturenscharf. Auffallend ähnlich ist bei beiden Bildnissen der Hut des Malers. Namentlich aber ist bei den beiden Predellen eine große Ähnlichkeit der Gesichtszüge von Christus, Petrus und Johannes gegeben. An feinen Einzelheiten ist die Hausener Predella eher reicher.
Es wird wohl offen bleiben müssen, ob Zeitblom selbst die Hausener Predella mit seinem Selbstbildnis auf dem Kelch gemalt hat oder vielleicht einer seiner Gesellen.

Uber der Predella befand sich der Altarschrein mit drei spätgotischen geschnitzten und farbig gefaßten Statuen: der Muttergottes mit dem hl. Christuskind, die Mondsichel unter ihren Füßen, des Hl. Stophanus als Erzmärtyrer und Hausener Kirchenpatron mit Bibel, Steinen und Märtyrerpalme, und der Hl. Barbara mit Kelch. Als das Haus von Karpfen sich der Reformation anschloß, hat offenbar das Kloster St. Georgen für Gunningen aufgrund seines halben "Kirchensatzes" einen Teil der Ausstattung der Mutterkirche beansprucht und die Altarschrein-Statuen bekommen. Sie wurden später an die Königlich Württembergische Altertümersammlung, jetzt Landesmuseum im Stuttgarter Alten Schloß, verkauft und konnten 1989 mit finanzieller Hilfe des Landkreises und des Kirchenbezirks wenigstens als Kopien (ohne Farbfassung) wiedergewonnen und über der Predella an der Chor-Nordwand aufgestellt werden
. Die beiden kleinen gotischen Engelsgestalten, die 1769 bis 1965 auf dem barocken Kanzel-Schalldeckel und dann provisorisch an der SchiffNordwand angebracht waren, stammen wahrscheinlich aus dem Gespreng des Hochaltars und fanden deshalb nun einen sinnvollen Ort über den drei Statuen.

Wahrscheinlich stammt auch der Taufstein aus mittelalterlicher Zeit. Er hat eine (wegen der fest eingekitteten Kupferschale leider nicht mehr zeigbare) Ablaufbohrung, durch die man das Taufwasser nach dem Gebrauch zur Vermeidung abergläubischen Mißbrauchs versickern ließ.

Hans I. von Karpfen starb 1531, wohl knapp 70jährig. Von seinen drei Söhnen und drei Töchtern folgte ihm in der Herrschaft Karpfen der zweite Sohn, Hans II. Als Herzog Ulrich 1534 nach der Schlacht bei Lauffen a. N. von seiner Vertreibung durch den Schwäbischen Bund zurückkehrte und sich der lutherischen Reformation anschloß, tat dies auch sein entfernter Vetter Hans II. von Karpfen, aber nur auf dem Papier; er gehörte zu den nicht wenigen adligen Herren, die die Reformation wirtschaftlich durch Einzug kirchlicher Güter und Rechte ausnützten, sonst aber nicht viel von ihr wissen wollten. Während des kaiserlichen Augsburger Interims, das die Reformation schrittweise rückgängig machen sollte, erklärte er 1549, "er sei bisher und allweg bei der alten christlichen hergebrachten Religion mit Messelesen, Öl-und Lichterbrennen mit allen Gottesdiensten und Zeremonien in seinen beiden Kirchen, wie von alterher je gebraucht worden, geblieben..." -eine doch ziemlich oberflächliche Meinung von der alten christlichen Religion.

Seine beiden Kirchen waren Hausen und Rietheim. Seit 1534 war Rietheim mit seiner damaligen uralten Silvesterkapelle, die vorher zur Tuttlinger Martinspfründe gehört hatte, Filialkirche von Hausen o. V., wurde aber unter Hans II. nur äußerst notdürftig versorgt. Erst 1845 wurde das kirchliche Filialverhältnis zwischen Hausen und Rietheim durch die Errichtung des Rietheimer Pfarramts beendet.
Gegenüber wiederholten Mahnungen aus Stuttgart entschuldigte sich Hans II. mit Rücksicht auf das Kloster St. Georgen, das wegen Gunningen bei der Besetzung der Pfarrei Hausen mitzureden habe. Anläßlich einer Visitation in der Zeit des Interims (1551) berichtete der Tuttlinger Spezialsuperintendent Jakob Manlius an den Tübinger Generalsuperintendenten Joh. Isenmann über die traurigen kirchlichen Zustände; es gebe nur noch in Tuttlingen und Trossingen rechte evangelische Predigt, die meisten Pfarreien seien verlassen oder von "losen Leuten" besetzt. "Der Pfaff zu Hausen kommt in der Woche einmal oder zweimal gen Aldingen, hält Meß und sagt ihnen zu Zeiten ein wenig vom Evangelium, denn er kann nit viel dazu..."

Wer damals Pfarrer (d. h. unter Hans II. faktisch Meßpriester) in Hausen war, ist unbekannt. Wie lange der 1513 von Hans I. eingesetzte Jörg Köllin aus Tuttlingen, der erste mit Namen bekannte Hausener Pfarrer, amtiert hat, ist nicht überliefert. 1545 wird ein Hausener Meßpriester namens Jakob Fudi aus Tuttlingen genannt; um 1560 scheint Jakob von Karpfen, ein Sohn Hans 11., in Aldingen und vielleicht auch in Hausen Meßpriester gewesen zu sein.

Erst Hans III., geb. 1532, führte nach dem Tod seines Vaters (16. Januar 1564) in Hausen und Rietheim die Reformation wirklich durch. Auf seine Bitte entsandte das Stuttgarter Konsistorium den Pfarrer Georg Laichinger, vorher im damals württembergischen Hornberg; der verzagte aber bald an der nicht leichten Aufgabe, zugleich auch angesichts des offenbar sehr verwahrlosten Pfarrhauses und der durch Wegfall des Gunninger Anteils völlig unzureichenden Besoldung. So übernahm noch im selben Jahr als erster ständiger evangelischer Pfarrer Johannes Hauser die Hausener Pfarrstelle. Er blieb bis 1606 im Amt und verstarb in Hausen am I. August 1619. Die obere Hälfte eines steinernen Grabmals, die sich 1965/66 als Fundament unter einer der Emporstützen fand, zeigt einen Mann im Talar, Halskrause und Barett mit einem Buch, wohl der Bibel, gefalteten Händen und die Inschrift: A. D.... DEN I. TAG AVGVSTI STARB... (welchem) GOT GN (ädig sein wolle Amen). Alles außer den hier groß wiedergegebenen Buchstaben ist entweder unleserlich oder stand auf der verschollen gebliebenen unteren Hälfte. Sehr wahrscheinlich ist es Johannes Hausers Grabstein. Er wurde an der Chorseite des nördlichen Triumphbogenpfeilers eingemauert.

An Ritter Hans III. von Karpfen erinnert in der Hausener Kirche vor allem das große Votivbild, das er zum Gedenken an seine früh verstorbene erste Frau, Ursula geborene von Reischach, stiftete. Es wird der Nürnberger Schule des Barthel Beham zugeschrieben und gehört zu der Gattung der theologischen Lehrbilder, die bei Lucas Cranach d. Ä. in Wittenberg, wohl auf Luthers Anregung, begann und für die Reformation typisch wurde. Für die Hausener Kirche ist das Votivbild neben der Predella schon ein besonderes Kleinod.

Rechts unten die Votivinschrift: "Anno Dom.i 1569 den 2 Decembris verschid Die Edel und tugentsam frow ursula von karpffen geborne von reishach welcher gott gnedig sin welle amen."

In der Mitte der gekreuzigte Christus mit Maria und dem Apostel Johannes. Die Totengebeine am Fuß des Kreuzes, auf vielen alten Kreuzigungsdarstellungen, beziehen sich vielleicht auf die von Origenes (+ 254) und anderen Kirchenvätern erwähnte Legende, daß die Gebeine Adams, unter dem Golgathafelsen begraben, durch einen beim Erdbeben entstandenen Riß vom Blut Christi benetzt wurden. Die Reformation, gegenüber solchen außerbiblischen Traditionen skeptisch, wird in den Totengebeinen zu Füßen des Kreuzes Christi eher einen Hinweis auf Röm. 5, 12-21 gesehen haben.

Hinter dem Kreuz die Heilige Stadt Jerusalem, deren Tempel aber als Ort der Gnadengegenwart Gottes weit zurücktritt hinter dem, der größer ist als der Tempel. Bei der Heiligen Stadt der Hohenkarpfen -die eigene Lebensgeschichte wird mit der Heilsgeschichte verbunden. Dies ist die einzige zeitgenössische Darstellung der 1633/34 zerstörten Karpfenburg, die zwar sicher nicht photographisch genau ist, aber auch nicht auf purer Phantasie beruhen muß; immerhin hat der Maler der Renaissance-Zeit sie als romanische Burg gemalt, die sie wohl war, und nicht so, wie er sich eine Burg oder ein Schloß im Baustil seiner Zeit vorgestellt hätte.

Auf dem Weg zur Burg der Hochzeitszug Hans III. und llrsulas: voraus ein Herold, dann der Hochzeitswagen, dann ein Schlußreiter. Dahinter der Tod, der schon den Bogen spannt. Darunter ein Spruchband mit dem Wort Christi (lateinisch): "Wachet und betet, denn ihr wisset die Stunde nicht". Die lutherische Reformation hat den namentlich im Dominikanerorden im Hochmittelalter aufgekommenen Rosenkranz zwar zu den neu aufgebrachten "kindischen unnötigen Werken" gezählt, hat aber ihren eigentlichen Auftrag nicht in der äußeren Bekämpfung und Abschaffung solcher Dinge gesehen, wenn sie nicht das Evangelium verdunkelten.
Wären der Rosenkranz und die nach ihm benannten Gebete und Andachten nicht als verdienstliche Werke, sondern als Mahn-und Hilfsmittel zum rechten Beten empfohlen worden, wie es auch bestimmte Gebärden, Zeiten und Orte sein können, so hätte die Reformation dieses Hilfsmittel wohl nicht rundweg verworfen. Daß Hans III. in diesem zentral evangelischen Bild als Veranschaulichung der Mahnung "Betet!" den Rosenkranz immerhin geduldet hat, ist kein schlechtes Zeugnis für den Tiefgang seines Reformationsverständnisses.

Zu Füßen des Gekreuzigten knien Hans III. in Ritterrüstung mit abgenommenem Helm und Ursula. Beide sind mit so individuellen Gesichtszügen gemalt, daß man sie sofort wiedererkennen würde, wenn man ihnen auf der Straße begegnen würde. Der Karpfen im Wappen, der sich an der Hirschstange festbeißt, zeigt die Verwandtschaft und das Lehensverhältnis zum Haus Württemberg an. Das Geschlecht derer von Reischach mit dem Eberkopf im Wappen stammte ursprünglich von der Burg Reischach bei Wald, südlich von Krauchenwies. Auf den Knieschemeln steht das Lebensalter der Eheleute: Hans war 37, Ursula 27 Jahre alt.

Hinter ihr der Sarg, ein schwarzer Kasten mit weißem Kreuz. Dahinter das österliche Grab, der auferstandene Christus mit dem Siegesfähnlein. Diese Nachbarschaft veranschaulicht das, was der unten stehende Sterbechoral von Paul Eber (Prof. der Theologie in Wittenberg, + 10. Dezember 1569) in seinen Strophen 5 bis 8 sagt. Oben der erhöhte Christus, auf dem Regenbogen thronend, die Weltkugel als Fußschemel, mit Siegespalme und Flammenschwert. Unterwegs zu ihm ein kleines Kind, das die Händchen zum Gekreuzigten ausstreckt; wohl ungeboren oder totgeboren -denn Ursula von Karpfen gilt als kinderlos verstorben.

Hans III. verheiratete sich dann mit Anna geb. von Plieningen. Sie gebar ihm 1572 den Sohn Hans (IV.) Dietrich, der 1633/34 die Zerstörung der Karpfenburg erlebte und in österreichische Gefangenschaft geriet, dann die Töchter Felicitas und Elisabeth. Seit der brüderlichen Erbteilung 1572 lebte Hans III. mit seiner Familie in Rietheim. Wahrscheinlich zum Gedächtnis des Todes der Tochter Elisabeth (wohl um 1580) stifteten die Eltern ein kleineres Votivbild, vielleicht in die Rietheimer Silvesterkapelle. Das Bild kam später in den Besitz der Rottweiler Sammlung Lorenzkapelle. 1967 konnte es durch Frau M.Ingenhoff-Danhäuser in Tübingen dank einer zweckbestimmten Spende der Kreissparkasse für die Hausener Kirche kopiert werden. Es ist ebenfalls ein theologisches Lehrbild von zentralem Inhalt, wenn auch einfacher gemalt.

Auch hier in der Mitte das Kreuz Christi. Beiderseits im Hintergrund die großen alttestamentlichen "Typen", d. h. Vorausdarstellung des heilbringenden Todes und der Auferstehung Christi: die eherne Schlange beim Zeltlager Israels, auf die Mose und Aaron hinweisen und die Hilfesuchenden hinblicken, mit dem Wort Joh. 3,14.15 und das Jonaszeichen mit dem Wort Matth. 12,40. Unten kniend die Familienglieder, mit Namen gekennzeichnet.

Bemerkenswert ist auch, daß bei der Ehernen Schlange -am Fuß eines Felsturms mit Gemäuer -vielleicht symbolisch für den Hohenkarpfen ein Kirchlein steht: sicher nicht die Rietheimer Silvesterkapelle mit ihrem uralten massiven Turm, eher vielleicht das Hausener Kirchlein, wie es vor dem Umbau 1796 ausgesehen haben könnte. Der Chor ist auf der abgewandten Seite und daher nicht sichtbar; die

Schiff-Längswand hat, ebenso wie jetzt, drei Fenster. Auf dem Dach sitzt in Firstmitte ein kleiner offener Dachreiter, vielleicht auch nur ein Kreuz.

Hans III., dem die Hausener Kirche ein besonders dankbares Andenken bewahren darf, verstarb nach viel Kränklichkeit am 25. Juli 1588 in Rietheim.

Bei der Erbteilung 1572 waren Karpfen und Hausen an Eberhard (II.) und die Kinder des + Erasmus gefallen. Ob Eberhard auf der Burg oder in Tuttlingen wohnte, wo er viele Jahre Obervogt war, ist nicht ersichtlich; eher doch auf Karpfen. Jedenfalls ließ er seine 1579 im 24. Lebensjahr verstorbene Frau Anna Magdalena geb. von Aldendorf und nach seinem Tode 1601 sich in Hausen beisetzen. Das steinerne Grabmal beider mußte innerhalb der Kirche schon zweimal einen Platzwechsel überstehen, ist aber gut erhalten und gibt mit seinen schlichten christlich gehaltvollen Inschriften (mindestens die für seine Frau hat er ja wohl selbst verfaßt) ein gutes Zeugnis.

Erben von Karpfen mit Hausen waren dann gemeinsam vier Vettern, Söhne von vier Karpfen-Brüdern und Enkel von Hans II.: die "Junker" Peter, Eberhard III., Hans IV. Dietrich (Sohn von Hans III.), und Gottfried. Besonders Junker Gottfried, Sohn von Eberhard II., macht seinem christlichen Namen und seinen Eltern wenig Ehre; er war gewalttätig und unruhig. Eigentlich sollte er auf der Karpfenburg wohnen. Diese war zwar immer wieder notdürftig instandgesetzt worden, war aber gewiß ziemlich baufällig und wenig komfortabel. Junker Gottfried besetzte deshalb kurzerhand das Hausener Pfarrhaus. Es war noch das alte Haus im Rank unterhalb des Chors der Kirche; das jetzige Pfarrhaus ist zu unbekannter Zeit, wahrscheinlich aber erst Ende des 17. oder Anfang des 18. Jh. erbaut worden. Pfarrer Johannes Marquardt, seit 1606 Johannes Hausers Nachfolger und Schwiegersohn, stammte aus Hausen und bewohnte sein elterliches Haus, war also aufs Pfarrhaus nicht angewiesen, wohl aber auf die Bewirtschaftung der Pfarrgüter, die ja ein wesentlicher Teil der Besoldung waren. Auch die machte aber Junker Gottfried ihm streitig. Er soll Pfarrer Marquardt wiederholt mit dem Säbel bedroht haben, auch in der Kirche, und einmal soll die Pfarrfrau gerade noch eine Stalltür zwischen sich und den Säbel des Junkers gebracht haben.

Die Erinnerung an diese schlimmen Auftritte verband sich manchmal mit der hölzernen Umschrankung, die die Altarstufe bis 1965 umgab: sie habe den Pfarrer vor solchen Angriffen schützen sollen. Dies trifft sicher nicht zu, schon allein weil die Umschrankung so gut wie sicher frühestens beim Umbau 1769, also 150 Jahre später, angebracht wurde, als der damals neu errichtete, kleine und beengte Altar durch die Chor-Orgelempore ins Schiff zwischen die Gestühlsblöcke vorgedrängt wurde; sie sollte wohl hauptsächlich die Gemeindeglieder vor dem Stolpern über die Altarstufe schützen. Wer sich an die Altarumschrankung noch erinnern kann, weiß zudem, daß sie als Schutz vor solchen Angriffen völlig untauglich gewesen wäre.

Daß die Hausener Stephanuskirche den Dreißigjährigen Krieg ohne Beschädigung überdauert hat, ist wohl fast ein Wunder. Uber den "Heiligen" (Armenkasten, ortskirchliches Armenpflege-Vermögen) in der Zeit bald nach dem Dreißigjährigen Krieg findet sich eine Notiz bei F. Fritz, Die württembergischen Pfarrer im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges, Blätter für württ. Kirchengeschichte, 24. Jg. 193O, S. 135. Auch in Hausen o. V. gibt es keinen Heiligen mehr, "dann die vom Adel denselben in das Weltliche vermischet und alle Documenta hinweggetan. Solle der beste Heilig im ganzen Tuttlinger Amt gewesen sein" (Extractus Synodi 1666, Fasz. 1011).

Aus der Zeit danach stammen in der Hausener Stephanuskirche das Grabmal der Pfarrfrau Antonia Belling, die nach der Inschrift 1689 im Alter von 25 Jahren mit einem ungeborenen Kind starb, der kleine Grab-oder Gedenkstein des Pfarrerskindes Christiana Dorothea Zeller (1732) und zwei schöne schmiedeeiserne Kreuze zum Gedächtnis an Kinder der Pfarrer Schweickhardt (1750) und Rues (1755). Die Inschriften sind bei allen bedenkenswert. Es ist eigenartig, von wieviel Leid um jung verstorbene Frauen und Kinder die Hausener Stophanuskirche erzählt.

An den Umbau von 1769 zur Amtszeit des Pfarrers Joh. Heinrich Harpprecht erinnert wahrscheinlich das Altarkruzifix und sicher (Jahreszahl auf dem Schalldekkel) die spätbarocke Kanzel mit sieben kleinen Ölgemälden: Christus, wie mit der Weltkugel spielend, wahrscheinlich dargestellt als der, "der vom Vater geboren ist vor der ganzen Welt ..., durch welchen alles geschaffen ist" (Nizänisches Bekenntnis) und als die göttliche Weisheit; Johannes der Täufer, Jakobus d. Ä. mit dem Schwert als erster Blutzeuge unter den Aposteln (oder auch Paulus), und die vier Evangelisten mit ihren aus Hes. 1,10 genommenen Symbolen. Ebenso dürfte das zur Kanzel gehörende Lutherbild, 01 auf Leinwand, von 1769 stammen. Es wurde 1967 in der Sakristei wiedergefunden, in seinem gleich wie die Kanzel marmorierten Rahmen, aber hinter einem Kunstdruck von Tübinger Stiftskirchenfenstern versteckt. Luther wäre auf diesem Bild für unsere von den Cranachbildern bestimmte und wohl zutreffende Vorstellung ohne die Inschrift kaum erkennbar, wohl nicht aus Ungeschicklichkeit des Malers, sondern weil die Lutherbilder teilweise ihre eigene Geschichte hatten und manchmal dem jeweiligen Zeitgeschmack angepaßt wurden. Die Lutherbilder der beiden Cranach konnten ja damals noch nicht als Kunstdrucke verbreitet werden und standen nicht so leicht wie später als Vorlagen zur Verfügung. Inhaltlich ist das Hausener Lutherbild bemerkenswert: Luther schaut den predigenden Pfarrer an, in der Linken beim Herzen die Hl. Schrift, in der Rechten ein Spruchband: "MATT. C. XXIV V. IV: sehet zu das euch nit jemand verfihre, dan..."

Unerklärlicherweise beginnen die Hausener Kirchenregister erst im Sommer 1742 mit Beginn des Dienstes von Pfarrer Joh. Jak. Schweickhardt, als Tauf-, Konfirmations-, Trauungs-und Begräbnisregister in einem Band. Die Führung zunächst von Taufregistern wurde den württembergischen-evangelischen Pfarrämtern durch Herzog Christoph und Johannes Brenz 1558 zur Pflicht gemacht, bald danach auch die Eheregister. Ob die Pflicht vielleicht unter dem Karpfischen Patronat gelockert war, oder ob die älteren Kirchenregister, die nur einen oder wenige Bände umfaßt zu haben brauchen, durch irgendein Geschehnis verschwunden oder zugrunde gegangen sind, ist rätselhaft. Für alle älteren Daten, auch bezüglich der Familie von Karpfen, ist dieses Fehlen ein großer Verlust.


 
 
 Zurück zum Anfang
 Zurück zur Anfangsseite