Byzantinisches Reich
(Byzanz, Ostrom), abendländ. Bez. für das Oström. Reich.

Spätantik-frühmittelalterl. Zeit (330/395-610):
Das B. R. entstand nach der Einweihung der griech. Stadt Byzanz als neue röm. Hauptstadt Konstantinopel durch Konstantin I., d. Gr., (330) bei der endgültigen Teilung des Röm. Reiches (395). Das in seinen Anfängen den Balkan bis zur Donau, Kleinasien, Syrien, Ägypten und Libyen umfassende Ostreich wurde vorübergehend von Justinian I. (Regierungsjahre 527-565) nach W ausgedehnt (u. a. Eroberung des von den Vandalen beherrschten N-Afrika 533/534, Vernichtung der Ostgoten in Italien durch die Feldherren Belisar und Narses 535-555).


Mittelbyzantin. Zeit. (610-1204):
In der durch die Einfälle von Awaren und Slawen hervorgerufenen schweren Krise rettete Kaiser Herakleios (Regierungsjahre 610 bis 641) das B. R. durch Verwaltungs- und Heeresreformen. Die Prov. im O gingen Anfang des 7. Jh. an das Sassanidenreich, nach vorübergehender Rückeroberung ab 636 an die Araber verloren, die sogar 674-678 und 717/718 Konstantinopel belagerten. Wechselvolle Auseinandersetzungen mit den Arabern und dem Bulgarenreich begleiteten für Jahrhunderte die byzantin. Geschichte. In der 2. Hälfte des 11. Jh. eroberten die Seldschuken Kleinasien (Sieg Alp Arslans 1071 bei Manzikert). Die Petschenegen, die 1090/91 Konstantinopel belagerten, konnten bis 1122 niedergeworfen werden. Die Niederlage von Myriokephalon 1176 gegen die Rum-Seldschuken setzte der Großmachtstellung des B. R. ein Ende. Entscheidend für sein Verhältnis zum Abendland war die zunehmende Entfremdung von der röm. Kirche, die sich v. a. im Streit um den päpstl. Primat gegenüber dem Patriarchen von Konstantinopel, im 8./9. Jh. im Bilderstreit (Ikonoklasmus) zeigte und 1054 in das Morgenländ. Schisma mündete. Die Kaiserkrönung Karls d. Gr. (800) bedeutete für das sich als einzigen legitimen Erben des antiken Röm. Reiches betrachtende B. R. eine ungeheure Herausforderung. Die Kreuzzüge, obgleich urspr. durch Hilferufe des byzantin. Kaisers gegen die Seldschuken initiiert, schufen neue Konflikte; schließl. waren es die Kreuzfahrer, die auf dem Weg zum 4. Kreuzzug erstmals Konstantinopel eroberten (17. 7. 1203 und 13. 4. 1204).


Spätbyzantin. Zeit (1204-1453):
Das B. R. wurde unter die Venezianer und die übrigen Kreuzfahrer aufgeteilt (Entstehung des Lateinischen Kaiserreichs: nach der Besetzung Konstantinopels durch Kreuzfahrer und Venezianer 1204 gegr. Reich, das einen Teil Konstantinopels, Thrakien, NW-Kleinasien und einige Ägäische Inseln umfaßte; bestand bis 1261) von Konstantinopel, des Kgr. von Thessalonike, der Ft. Achaia und Athen). Eigenständige griech. Reiche bildeten sich um Trapezunt, Nizäa und in Epirus. Nachdem Johannes III. Dukas Batatzes, Kaiser von Nizäa 1222-54, den größten Teil der lat. Besitzungen in Kleinasien sowie Thrakien und Makedonien erobert hatte, gelang Michael VIII. Palaiologos (Regierungsjahre 1259-82) neben der Rückeroberung großer westgriech. Landstriche die Wiedereroberung Konstantinopels (25. 7. 1261), doch wurde das B. R. unter seinen Nachfolgern unbedeutend; die Osmanen, die um 1300 die byzantin. Besitzungen in Kleinasien besetzten, griffen ab 1354 auf das europ. Festland über; im NW drangen die Serben, in Thrakien die Bulgaren weiter nach S vor. Mit der Eroberung des 1394-1402 und 1422 belagerten Konstantinopel durch die Osmanen (29. 5. 1453) ging das B. R. unter.






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